08/10/2026 0 Kommentare
Von Fußballgöttern und anderen Sündenböcken
Von Fußballgöttern und anderen Sündenböcken
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Von Fußballgöttern und anderen Sündenböcken
Ausstellung, Vortrag und Diskussion zu Fußball und Religion im FanDOM Bochum
Queerfeindliche Positionierungen, religiös motivierte Jubelgesten, mannschaftsübergreifende Gebetskreise nach Spielende – immer wieder treffen Religion und Fußball (oder: Fußballspielerinnen und -spieler) aufeinander, auf dem Platz sowie vor allem auch in den sozialen Medien. Im Rahmen der Fußballkulturtage NRW luden die Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW gemeinsam mit dem Fanprojekt Bochum, dem FanDOM Bochum und der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball zu einem Abend ein, an dem dieses Thema besprochen und diskutiert wurde.
Welche Rolle spielen evangelikale Netzwerke im Fußball? Wo verlaufen die Grenzen zwischen persönlichem Glauben, organisierter Einflussnahme und gesellschaftspolitischen Positionierungen? Und warum lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn Religion, Fußball und politische Botschaften aufeinandertreffen? Zu diesen Fragen sprach zunächst Lena Mühlnickel in ihrem einführenden Vortrag. Anschaulich legte sie die Zusammenhänge und Verbindungen zwischen (prominenten) Einzelpersonen und Netzwerken, religiösen Symbolen und politischen Haltungen dar.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Fußball mit Mission – Glauben zwischen radikaler Organisation und fürsorglicher Orientierung“ erläuterten Pfarrerin Julia Kreuch und Pastoralreferent Michael Diek ihre Überzeugung und Haltung, die sie in den FanDOM und ihre Arbeit als Fanseelsorgerin bzw. Fanseelsorger einbringen. Der FanDOM, ein Projekt der Kirchengemeinde Bochum, sei ein Experimentierraum, erklärte Julia Kreuch. Das Programm sei vielfältig und bunt – wie die Menschen, die Fußballfans und auch die Kirche – und reiche von Andachten und Gottesdiensten an den Heimspieltagen über kulturelle Veranstaltungen bis zur Trauerarbeit, zum Beispiel beim Gedenken an verstorbene Fans im Rahmen der Jahreshauptversammlung oder im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag.
„Jeder Mensch ist hier willkommen“, betonte Julia Kreuch. Sie selbst erlebe in ihrem Arbeitsalltag immer wieder, dass ihr aus bestimmten Kreisen die Befähigung zum Pfarramt abgesprochen werde – aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Rolle als Frau. Solche Erlebnisse nehme sie als Ansporn. Ihre Durchsetzungsfähigkeit habe sie schließlich schon im Alter von vier Jahren unter Beweis gestellt, als sie die deutlich älteren Nachbarjungs dazu überredet habe, sie beim Fußball auf dem Bolzplatz mitspielen zu lassen.
Bei der angeregten Diskussion, zu der auch das Publikum mit Fragen und eigenen Statements beitrug, wurde insbesondere der besondere Torjubel von Nationalspieler Felix Nmecha intensiv besprochen. Nach einem erzielten Tor nimmt dieser symbolisch eine Krone ab und legt sie vor Gott ab. „Ich finde es wichtig, im Blick zu behalten, wie jemand auf andere Menschen und auf seinen Gott schaut. Dieser Jubel sagt für mich viel über sein Menschenbild und über sein Gottesbild aus“, erläuterte Michael Diek. „Dabei wird der Mensch klein und Gott groß gemacht. Mein Gottesbild ist ein anderes, nämlich das von einem Gott, der mich begleitet. Der nicht über oder unter mir steht, sondern Schulter an Schulter mit mir durchs Leben geht.“
Als Begleitprogramm war in der Lutherkirche die Ausstellung „Stabil bleiben gegen Diskriminierung im Fußball“ aufgebaut. Die Besucherinnen und Besucher konnten sich hier vor und nach dem Vortrag und der Podiumsdiskussion über die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Diskriminierung im Fußball sowie Möglichkeiten des Widerspruchs und der Intervention informieren.
Über die Fußballkulturtage NRW:
Im Fußball steckt viel Kultur – und in der Kultur auch jede Menge Fußball. Mit den Fußball-Kulturtagen NRW geben die Fanprojekte Themen eine Öffentlichkeit, die ansonsten in der Wahrnehmung um den professionellen Fußball eher unterrepräsentiert sind. Die Breite des Programms, das vom 21. September bis 5. Oktober an zahlreichen Orten in Nordrhein-Westfalen stattfand, zeigte, wie vielfältig Fußball und Kultur verbunden sind.
Bild: Moderiert von Florian Kovatsch vom Fanprojekt Bochum (2.v.l.) diskutierten auf dem Podium Lena Mühlnickel, Pfarrerin Julia Kreuch und Pastoralreferent Michael Diek (v.l.) über Fußball und Religion. Foto: Kirchenkreis
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