27/02/2026 0 Kommentare
Frühkindliche Bildung ist keine Randaufgabe
Frühkindliche Bildung ist keine Randaufgabe
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Frühkindliche Bildung ist keine Randaufgabe
Aktionswoche der evangelischen Kitas in Bochum mit Stimmen aus der Praxis
45 Kitas, eine Haltung – das haben die evangelischen Kindergärten und Kindertagesstätten in Bochum Mitte Februar während ihrer Aktionswoche eindeutig bewiesen. Fast alle Einrichtungen beteiligten sich und setzten unter dem Motto „KiBiZ? Nein Danke!“ viele sichtbare Zeichen für gute frühkindliche Bildung.
Auslöser und Kern der Aktionswoche ist der vorliegende Entwurf zur Reform des Kinderbildungsgesetzes in Nordrhein-Westfalen. Dabei war die Woche ausdrücklich „keine symbolische Protestaktion ohne Substanz“, wie Philipp Reher, Leiter der Kita Rasselbande und Sprecher der Einrichtungsleitungen, betont. Mehrere hundert Mitarbeitende aus fast allen Einrichtungen beteiligten sich. Auch die Eltern und Kinder wurden aktiv mit eingebunden. Die Ergebnisse stellen somit eine fachlich begründete Rückmeldung aus der Praxis da.
Größter Kritikpunkt am vorliegenden Gesetzesentwurf ist das vorgeschlagene Kern- und Randzeitenmodell. Träger sollen Kernzeiten definieren dürfen, für die Randzeiten sollen dann Personalanforderungen gesenkt werden dürfen. Kita-Mitarbeitende und Eltern sehen darin die Gefahr einer faktischen Absenkung der Fachkraftstandards. „Kinder sind keine Randzeiten“ heißt es zum Beispiel auf Plakaten, die in manchen Kitas aushingen. Außerdem werden eine zunehmende Standardisierung und Dokumentationspflicht und eine stärkere Steuerung über Kennzahlen und Faktoren befürchtet.
Im Rahmen der Aktionswoche konnten auch Eltern ihre Stimme einbringen. Vertrauensbasis zwischen Eltern, Kind und Kita, liebevolle Begleitung, transparente Kommunikation, Zeit für Tür- und Angelgespräche, genug Zeit am Kind ohne Stress – das sind nur einige der Wünsche, die Eltern an eine gute Kita haben und im Rahmen der Aktionswoche schriftlich festhielten.
Auch die Kinder wurden gefragt, warum Erzieherinnen und Erzieher für sie wichtig sind. „Ihr passt auf uns auf“ oder „Ihr mögt uns und wir erfinden zusammen neue Sachen“ oder „Es fühlt sich im Herzen gut an, wenn wir bei euch sind“ lauteten beispielhaft die Antworten, die eindrücklich zeigen, dass Bildung mehr ist als Betreuung, sondern Beziehung, verlässliche Bezugspersonen, Geduld und Begleitung braucht.
Dem gegenüber stehen die Herausforderungen, mit denen sich Mitarbeitende schon jetzt konfrontiert sehen: „Man fühlt sich innerlich zerrissen, weil man den Kindern nicht gerecht wird“, und „Dauerbelastung durch strukturelle Überforderung“ benennen sie als Probleme. „Schäden für die psychische und körperliche Gesundheit“ sind schließlich die Folge.
In einem Brief an Familienministerin Verena Schäffer bringt Philipp Reher die gesammelten Rückmeldungen aller beteiligten Personen auf den Punkt. „Gute Bildung braucht Zeit für Beziehung. Qualität braucht ausreichend Personal. Fachkraft bleibt Fachkraft – nicht Lückenfüller. Pädagogik braucht Vorbereitung – nicht Dauer-Improvisation.“ Frühkindliche Bildung sei keine Randaufgabe. „Sie ist Fundament unserer Gesellschaft.“



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