Mit allen Sinnen unterwegs

Erstellt am 28.07.2021

Pilgerweg der Kirchengemeinde Langendreer führt auf 15 Kilometern durch den Stadtteil

Es muss nicht gleich der Jakobsweg sein. Wer sich auf einen Pilgerweg begeben möchte, muss dafür keine weiten Reisen unternehmen. Für Bochumerinnen und Bochumer gibt es jetzt einen Pilgerweg vor der eigenen Haustür: Ein 15 Kilometer langer Rundweg führt interessierte Pilgerinnen und Pilger durch den Stadtteil Langendreer.

Ausgearbeitet wurde der Weg von den Pfarrerinnen und Pfarrern der Evangelischen Kirchengemeinde Langendreer. Die Idee, erzählt Thomas Vogtmann, hatte er schon länger. Die Pandemie gab den letzten Anschub, um sie in die Tat umzusetzen. „Gefragt waren in dieser Zeit ja eher die Aktivitäten, die man individuell und am besten draußen in der Natur durchführen kann“, sagt er. Bei seinen Kolleginnen und Kollegen fand das Projekt gleich großen Anklang. Joachim Gentz stellte die Strecke zusammen und gemeinsam überlegten sie Stationen und Impulse, Gebete, Übungen und Anregungen für das Pilgerheft.

Also auf! Los geht es an der Christuskirche. Pilger- und Streckenheft – mit detaillierter Wegbeschreibung und Kartenausschnitten der einzelnen Streckenabschnitte – sind dort erhältlich oder vorab im Internet (unter www.evkibo7.de) zum Herunterladen zu finden. Der Weg führt zunächst zum Evangelischen Friedhof, der einmal durchquert wird. Ruhig wird es um einen herum; umgeben von Bäumen, Gräsern und den bunt bepflanzten, gepflegten Gräbern wird es auch im Inneren ruhig. Nach wenigen Metern entlang der Straße „In der Schornau“ geht es links in den Wald hinter dem Knappschaftskrankenhaus, das einmal umrundet wird. Durch Wohnsiedlungen führt der Weg zur Pauluskirche.

Auf ein Wort: Die Pilgerinnen und Pilger erwarten Bibel-Worte zum Mitnehmen, die sie auf dem weiteren Weg begleiten. Anschließend geht es hinauf auf den höchsten Punkt Bochums, den Westerberg. Die Aussicht am Honnengraben lädt nach knapp fünf gelaufenen Kilometern zu einer Pause ein. Der Blick schweift in die Ferne, entdeckt markante Gebäude und Orte in der Stadt. Himmel, Horizont und Erde, alles fügt sich zusammen. Eine gute Gelegenheit, Gottes Gegenwart nachzuspüren – oder zu singen: Zwei Liedvorschläge sind über einen QR-Code im Pilgerheft enthalten, wer nicht selbst singen möchte, lässt die Musik auf sich wirken.

Spätestens an der Michaelkirche wird es Zeit für eine Rast: Hier ist knapp die Hälfte des Weges geschafft. Aber auch die weiteren Orte, an denen der Pilgerweg entlangführt, laden immer wieder dazu ein, Station zu machen: Auf dem Friedhof Ümmingen weisen historische Grabsteine und die Grundmauern der alten Kapelle auf vergangene Jahrhunderte hin. Wie viele Menschen standen wohl vor mir schon hier?

Zurück in der Gegenwart heißt es spätestens, wenn man am Ümminger See angekommen ist. Zu jeder Tageszeit sind hier Menschen unterwegs, Enten schwimmen im Wasser, Kinder spielen auf dem Spielplatz. Ein Ort der Lebendigkeit, der Bewegung und der Begegnung. Wasserrauschen, Kinderlachen, Sonnenstrahlen im Gesicht.

So beschwingt sind auch die letzten Kilometer noch gut zu bewältigen, selbst wenn die Füße schwer werden. Die Lutherkirche ist das letzte Zwischenziel, bevor der Ausgangs- und Endpunkt Christuskirche wieder erreicht wird. Angekommen. Viele Eindrücke haben sich in den vergangenen Stunden angesammelt. Jetzt ist Zeit, noch einmal kurz innezuhalten, vielleicht ein Gebet zu sprechen. Einen Stempel für die Pilgerinnen und Pilger gibt es hier nicht, aber wer die Karte ausfüllt, die jedem Pilgerheft beiliegt, erhält eine kleine „Belohnung“ nach Hause.

Natürlich ist es auch möglich, den Weg in einzelnen Abschnitten an mehreren Tagen zu laufen. Für die Menschen aus Langendreer, erzählt das Pfarrteam, soll der Pilgerweg auch eine Anregung sein, neue Wege zu entdecken, die bekannten Routen zu verlassen und neue Erfahrungen beim Wandern zu sammeln. Aber natürlich sind auch alle anderen eingeladen, auf dem Pilgerweg mit wachen Sinnen Langendreer zu erkunden, sich selbst und die Umgebung wahrzunehmen und auf ihrem Weg die Zeichen Gottes in unserer Welt zu finden.

 

 

Bericht in der WDR Lokalzeit

Auch der WDR ist auf den Pilgerweg in Langendreer aufmerksam geworden und hat am 13. August in der Lokalzeit Ruhr einen Bericht veröffentlicht. Im Studio erklärte Pfarrer Thomas Vogtmann, weshalb Pilgern in jedem Fall ein Gewinn für das eigene Leben ist.

Hier anschauen - los geht es ab Minute 18:30 Uhr.