Abschied nach 24 Jahren

Erstellt am 24.11.2020

Die stellvertretende Superintendentin Heike Lengenfeld-Brown geht in den Ruhestand

Pfarrerin Heike Lengenfeld-Brown wirkte 24 Jahre lang im Evangelischen Kirchenkreis Bochum als Stellvertretende Superintendentin. Foto: KK

Fred Sobiech trat 1996 als erster hauptamtlicher Superintendent im Kirchenkreis Bochum sein Amt an. Mit dabei war schon damals Pfarrerin Heike Lengenfeld-Brown als seine Stellvertreterin. Nach 33 Dienstjahren geht die langjährige Seelsorgerin an der Pauluskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum am 31. Dezember in den Ruhestand. Zeit auch das Leitungsamt nach 24 Jahren und in Zusammenarbeit mit drei Superintendenten niederzulegen.


Gerald Hagmann, der dritte Superintendent an ihrer Seite, weiß schon heute: "Die Zusammenarbeit mit ihr wird mir fehlen." Verlässlich, loyal, immer ansprechbar, immer ein offenes Ohr - "und Heike Lengenfeld-Brown kann, auch wenn das auf den ersten Blick abgegriffen klingt, Brücken bauen", ergänzt Hagmann, "und zwar auf eine versöhnliche Art, die für stabile Fundamente sorgt."

Heike Lengenfeld-Brown schaut auf diese lange Zeit seit 1996 auch nachdenklich zurück. „Unsere Ausgangsfragen waren: Wie kann Kirche in Bochum zukünftig aussehen? Wie kann der Kirchenkreis den Gemeinden und kirchlichen Diensten helfen, ihre Arbeit zu gestalten angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen und Finanzeinnahmen?“, erinnert sie sich. Die Aufgaben im Kirchenkreis sei man dann stets als Team angegangen. Das hieß nicht nur regelmäßige Dienstbesprechungen, sondern auch Arbeitskreistreffen zu einzelnen anstehenden Aufgaben.

Einer der Arbeitsschwerpunkte für die Synodalassessorin wurde der Kontakt zur theologischen Fakultät an der Ruhr-Universität. Dort ging es häufig um die Frage, wie die Uni den Brückenschlag vom Campus in die Stadt schafft. Der englischsprachige Gottesdienst an ihrer Pauluskirche wurde da ein Treffpunkt.

Eine zweite wichtige Aufgabe war für die heute 65-Jährige Seelsorgerin der Aufbau der Hospizarbeit. „In ökumenischer Zusammenarbeit gingen wir das an“, erinnert sie sich. Hieß: Die ambulante Versorgung übernahm die evangelische Kirche; das stationäre „Hospiz St. Hildegard“ gründeten die Katholiken. „Aus einer anfänglich experimentellen Form ist die Hospizarbeit inzwischen eine institutionelle Arbeit geworden“, freut sich Lengenfeld-Brown.

Im Laufe der Jahre änderte sich vieles im Kirchenkreis. Gemeinden schlossen sich zusammen zwecks Erhalt ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Etwa alle in Langendreer, Altenbochum und Laer sowie Eppendorf und Goldhamme. „Uns war klar, dass Kirche nicht mehr an jedem Ort alles machen kann“, blickt die Pfarrerin zurück.

Schmerzhaft fand sie es trotzdem, als auch Kirchen geschlossen wurden: „Vom Kirchenkreis leisteten wir Begleitung und unterstützten die Gemeinden bei den Veränderungen.“ Da die Seelsorgerin auch in der eigenen Gemeinde solche Prozesse mittragen musste – zum Beispiel Abgabe der Christuskirche an den Kirchenkreis, Schließung von zwei Gemeindehäusern nebst Kindergärten - konnte sie immer wieder die Ängste und Auseinandersetzungen in den Gemeinden nachvollziehen.

„Kirche musste sich miteinander auf den Weg machen, um auch zukünftig präsent zu sein und ihre Aufgaben wahrnehmen zu können“, zieht sie Bilanz. Ihren Abschied als stellvertretende Superintendentin sieht sie mit gemischten Gefühlen. „Angesichts der anstehenden Aufgaben fände ich es spannend weiterzumachen. Aber im Grunde ist es gut, nun den Staffelstab an Jüngere weiterzugeben, die mehr Kraft haben diese Arbeit zu bewältigen.“

Fritz-Wicho Herrmann-Kümper