In Querenburg erschallte die Totenglocke vom Kirchturm

Erstellt am 29.07.2020

Der evangelische Friedhof „Schattbachstraße“ wird 125 Jahre alt

Drei große Lindenalleen geben dem 125 Jahre alten evangelischen Friedhof an der Schattbachstraße eine besondere Würde.

„Ich genieße hier die Natur mit dem Zwitschern der Vögel, und dass es – vor allem auch zwischen Besuchern und Mitarbeitern - sehr persönlich zugeht“, erklärt Friedhofsgärtner Andreas von Sondern. Seit 25 Jahren kümmert er sich mit zwei weiteren Kollegen um den Friedhof „Schattbachstraße“ der Evangelischen Kirchengemeinde Querenburg, der seit 125 Jahren besteht.

Denn am 21. April 1895 weihte die Vorgängergemeinde „Ümmingen“ den Friedhof ein. Die erste Beerdigung fand kurz darauf statt.

Die Gemeinde konnte das Jubiläum jetzt aber nicht feiern, da die Corona-Krise bis heute keine Großveranstaltungen zulässt. „Vielleicht gelingt es uns im nächsten Jahr das Ereignis nachzufeiern“, hofft Friedhofskirchmeisterin Ulrike Frielinghaus.

Der Friedhof, der als Ersatz für den im Dezember 1880 geschlossenen historischen Friedhof von „Ümmingen“ (Auf dem Rüggen) diente, hat seitdem seine heutige Größe von 2,4 Hektar behalten. Auch die drei bis zu 150 Meter langen Alleen, die in historischen Zeiten mit Sommerlinden zur Unterteilung der drei Grabfelder bepflanzt wurden, blieben. Heute machen die hoch gewachsenen alten Bäume einen Teil der besonderen Würde der Anlage aus.„Bis in die 60er Jahre gab es vor allem Großgrabstätten. Sie machten 40 Prozent der Grabstätten aus“, weiß der Friedhofsgärtner aus alten Unterlagen. Belegt wurden sie von

eingesessenen Gemeindemitgliedern aus den angrenzenden Bauernschaften Laer, Querenburg, Steinkuhl und Ümmingen.

Hinzukamen eine Reihe von kleineren Grabanlagen. Es gab allein die Erdbestattung. Ein Bestattungsrecht hatten nur Menschen evangelischen Glaubens, da es ein streng konfessioneller Friedhof war.

Seit den 60er Jahren hat sich viel verändert. Die Kirchengemeinde Querenburg als neuer Träger gründete sich, nachdem aufgrund des Baus der Ruhr-Universität neue Wohnbezirke wie die „Hustadt“ im Umfeld entstanden. Mit damals zahlreichen neuen Gemeindemitgliedern.

„Als ich hier ab 1978 meine Lehre machte, waren 15 Prozent der Beerdigungen schon Feuerbestattungen“, erinnert sich von Sondern. Heute machen sie mit 70 Prozent den größten Teil aus. „Viele davon sind Rasengräber, weil Menschen ihren Angehörigen nicht mehr die Pflege eines Grabes für die nächsten 25 Jahre auferlegen wollen“, ergänzt Frielinghaus: „Der Friedhof bekommt ein uniformierteres Aussehen.“

Die Gemeinde reagierte auf diese Entwicklung. Seit April gibt es die neue gärtnerbetreute Gemeinschaftsgrabanlage „Garten der Erinnerung Schattbach“. Hier können sich Menschen in fünf unterschiedlichen Themengärten – von Hainbestattung, über "Bauerngarten" bis hin zu mediterranem Flair

in Urnen bestatten lassen. Gleichzeitig entstand ein kleiner Park, um die Friedhofskultur wieder aufzuwerten. Die aktuelle Friedhofssatzung lässt zudem die Beerdigung ohne Religionszugehörigkeit aufgrund der veränderten Bestattungskultur zu.

Das erste Gebäude auf dem Friedhof war ein Totengräberhäuschen für kleine Andachten. „Mehr war nicht nötig, weil die Menschen noch zu Hause aufgebahrt wurden“, erzählt von Sondern. 1952 errichtete Architekt Kurt Peter Kremer die erste Kapelle. In den 70er Jahren folgte die Heutige. Sie hat Aufbahrungsräume, in denen sich die Angehörigen jederzeit in Würde von ihren Verstorbenen verabschieden können. Wirtschaftsgebäude sowie ein Glockenturm (errichtet 1997) ergänzen den Bestand.

Erster Totengräber wurde Wilhelm Reinhard, dessen Grab heute zu den ältesten auf der Anlage zählt. Mit seiner Familie versah er von 1883 bis 1908 auch das Küsteramt an der neugotischen Ümminger Kirche (1887-1975). „Bei Beerdigungen schachtete er deshalb nicht nur das Grab aus und verschloss es anschließend. Er begleitete auch den Trauerzug, indem er nach der Trauerfeier vom Kirchturm die Totenglocke schlug“, erzählt von Sondern, der in fünfter Generation im Amt ist. So machten es auch Reinhards Nachfolger Wilhelm Beckmüller (1908-1923), Heinrich von Sondern (1923-1945) sowie Emil von Sondern (1945-1967) - bis die Kapelle gebaut wurde.

Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

Der Grabstein von Wilhelm Reinhard erinnert auf der mittleren Lindenallee an den ersten Totengräber des Friedhofs. Dahinter moderne Einzelgräber. Fotos: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper