Koreanische Gemeinde feiert ihre Gottesdienste nach wie vor Online

Die koreanische Gemeinde in Bochum. Foto: privat

Sonntags um 15 Uhr trifft sich normalerweise die koreanische Gemeinde in der Melanchtonkirche zum Gottesdienst. In Zeiten von Corona wissen sich die Gemeindemitglieder durch einen Onlinegottesdienst, der zur selben Zeit ausgestrahlt wird, verbunden.


„Es gibt eine Predigt, Bibeltexte und Gebete,“ erzählt Mu-Hyun Baek, Presbyter und Koordinator für Außenkontakte der Gemeinde. „Besonders wichtig sind uns die Fürbittgebete für Menschen, die erkrankt sind, aber auch für diejenigen, die sich um die Kranken kümmern.“

Die verschiedenen Gemeindegruppen treffen sich jeweils in einer Art WhatsApp-Gruppe, um Informationen auszutauschen und Kontakt zu halten. „Trotzdem fehlt der persönliche Kontakt,“ bedauert Yon-Ok Ahn, Presbyterin der Gemeinde in Wiemelhausen. „Zu unseren Gottesdiensten gehört ja auch das Zusammentreffen, das gemeinsame Essen – oft wird koreanisch gekocht – und der Austausch über Nachrichten, die aus Südkorea zu hören sind.“ Die sind in Corona-Zeiten eher beruhigend, denn Korea ist Deutschland in der Bekämpfung des Virus voraus. Trotzdem bleibt man dort wachsam und achtet auf Abstand.

Die koreanische Gemeinde Bochum wurde vor 50 Jahre gegründet von Arbeitsmigrantinnen und –migranten, die als Bergarbeiter bzw. Krankenschwestern nach Deutschland gekommen sind. Heute gehören auch viele Studierende zur Gemeinde. Die mittlere Altersgruppe ist wenig vertreten. „Die Gemeinde ist ein Stück Heimat für uns,“ erklärt Mu-Hyun Baek. „Es tut gut gut, die Muttersprache zu sprechen und an die gemeinsame Geschichte zu erinnern.“

„Ein besonderer Tag ist für uns der 18. Mai“, erzählt sie weiter. „An diesem Tag vor genau 40 Jahren wurde in der Stadt Gwangju die Demokratiebewegung in Südkorea blutig niedergeschlagen.“ Informationen darüber wurden unterdrückt. Nur ein ARD-Journalist hat Nachrichten darüber aus der eingekesselten Stadt schmuggeln können. So erfuhren die Koreanerinnen und Koreaner in Deutschland noch vor ihren Landsleuten zu Hause von dem Massaker – ein Grund bis heute besonders an diesen Tag zu erinnern – trotz Corona-Lockdown und nur per Videostream.“