Christuskirche Bochum ist jetzt ein „Big Beautiful Building“

Erstellt am 01.11.2018

Auszeichnung für eine „Architektur der Freiheit“

Die Christuskirche Bochum ist am Reformationstag (31. Oktober) mit der Auszeichnung "Big Beautiful Building" gewürdigt worden.


Der Preis wird von der StadtBauKultur NRW und der Technischen Universität Dortmund (Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung) vergeben und gefördert vom Europäischen Kulturerbejahr 2018 sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Auszeichnung geht an "beispielhafte Bauten der 1950er bis 1970er Jahre".

Als der Krieg zu Ende war, lag Europa zerstört, die Innenstadt Bochums war eine Landschaft aus Trümmern. Aus ihr ragte einsam der Turm der Christuskirche empor. Was dann begann, nennt sich auch heute noch „Wiederaufbau“, gebaut wurde aber oftmals neu und, was wichtiger, in einer neuen architektonischen Sprache.

Der Geist der 1950er und 1960er und dann hinein in die 1970er Jahre war geprägt vom dem Bewusstsein, in eine bessere Zukunft aufzubrechen. Die Architektur und der Städtebau der „Wirtschaftswunderjahre“ erzählen von politischem Wandel und von sozialen Utopien, von Experimentierfreude und innovativem Geist. Neue Schulen und neue Universitäten entstanden, in denen dieser andere Geist wehte, auch neue Rathäuser und Kirchen, Kaufhäuser und Wohnsiedlungen. Eine Epoche des Aufbruchs, getragen vom Vertrauen darin, dass Menschen eine gemeinsame Welt bauen können…

Heute ist die Epoche  -  und möglicherweise auch dieses Vertrauen  -  zur Vergangenheit geworden. Die Bauwerke aber erzählen davon, sie sind geblieben. Jetzt, im Jahr des Europäischen Kulturerbes „Sharing Heritage“ wird dieses bauliche Erbe - weil es eben kein lokales isst, auch kein nationales, es ist ein europäisches - in ein neues Licht gerückt. „Big Beautiful Buildings. Als die Zukunft gebaut wurde“ heißt das gemeinsame Projekt von StadtBauKultur NRW und der Technischen Universität Dortmund (Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung), gefördert vom Europäischen Kulturerbejahr 2018 sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Besonders gewürdigt und mit einem „Wanderpokal“ ausgezeichnet wurde jetzt die Christuskirche Bochum, ein Bauwerk, in der Architekturkritik schon immer in höchsten Tönen gelobt:

1956 wurde es von Dieter Oesterlen erdacht, 1959 eingeweiht, ein Ensemble aus modernem Kirchenschiff und einem alten Turm, in dem eine Gedenkhalle überdauert hat, die noch an den Ersten Weltkrieg erinnert, die "Ur-Katastrophe Europas". Oesterlen hat den neuen Baukörper abgesetzt vom Turm, er hat Vergangenheit und Gegenwart im Wortsinn auseinandergesetzt.

Das Kirchenschiff selber hat er aus der alten Achse geschwenkt, also die Blick- und gleichsam die Denkrichtung geändert. Und: Er hat einen Raum geschaffen, der, mit allerbesten akustischen Bedingungen, vollkommen bilderlos ist. Eine Architektur, die nicht belehrt und nicht befiehlt, die niemandem vorgibt, was er zu denken habe, sondern die allen ihre Freiheit lässt. Oder eben: Die alle in ihre Freiheit entlässt. Und das ist das schönste Kompliment, das man einer architektonischen Form machen kann.

"Tolle Figur", schrieb einmal eine Musikkritikerin über die Christuskirche, die als Kultur- und vor allem Konzertort bundesweit bekannt geworden ist. Pro Jahr hat die Christuskirche Bochum, das einmal als Vergleich, mehr Besucher als die Ruhrtriennale. Internationale Größen aus völlig unterschiedlichen Genres   -  Jazz ebenso wie Pop, Klassik ebenso wie Gothic, Ambient ebenso wie Chor  -  geben sich ein Stelldichein. Gleichzeitig ist die Christuskirche Spielort für regionale Größen, die ihre Zukunft noch vor sich haben.

„Das würdigen wir mit der Auszeichnung besonders“, sagte Hanna Hinrichs, Geschäftsführerin der StadtBauKultur NRW, bei der Preisübergabe an Superintendent Gerald Hagmann: "Die Christuskirche vergegenwärtigt das bauliche Erbe, das sie selber ist. Diese Architektur lebt, die gebaute Zukunft dauert an."

Dafür steht auch der Platz des europäischen Versprechens: Auch dieses Kunstwerk von Jochen Gerz, 2007 - 2015 aus insgesamt 14.726 Namen von europäischen Bürgerinnen und Bürgern gebaut, ist aus der Christuskirche heraus entstanden. Es nimmt vorweg, wie Europa gebaut werden könnte: als eine vielstimmige, eine europäische Demokratie.                                                                                            KK

Überreichten den Preis "Big Beautiful Building" an Superintendent Gerald Hagmann: Prof. Christa Reicher (l.) vom Lehrstuhl und Institut für Städtebau der RWTH Aachen, ehem. Dekanin der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund, und Hannah Hinrichs, Geschäftsführerin der StadtBauKultur NRW. Foto: Sabine Hahnefeld / Christuskirche Bochum