Pfarrer Esaid berichtet in Weitmar über Inklusion und Integration in Jordanien

Erstellt am 13.08.2018

Pfarrer Samir Esaid aus Jordanien berichtet mit Hilfe von Fotos über eine Inklusions- und Integrationsschule in seiner Heimat. Foto: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

"Wir wollen an unserer Schule Inklusion, nicht Isolation der Kinder." Das betonte Pfarrer Samir Esaid aus Jordanien, als er in der Gemeinde Weitmar über seine arabisch-anglikanische Modelschule in der nordjordanischen Stadt Irbid berichtete. Seit 2003 baute der Gemeindepfarrer die Arab Episcopal School mit seiner Ehefrau und Schulleiterin Sabah Zurikat auf.

 
Mit Erfolg, wie der Vortrag zeigte. Aus einem Vorschulkindergarten für sechs blinde und sehbehinderte Kinder, deren Familien der heute 50-jährige Seelsorger damals betreute, entstand bis heute eine Schule für 270 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 16 Jahren. Davon 40 blinde und sehbehinderte Kinder. Die Trägerschaft übernimmt die Anglikanische Kirche der zuständigen Diözese Jerusalem.
 
"Ich wollte, dass die Familien ihre blinden Kinder nicht mehr zu Hause aus Scham versteckten oder zur staatlichen Blindenschule in die 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Amman weggaben", berichtete der Pfarrer zu seiner Motivation. Ergebnis nach kurzer Zeit im Kindergarten: Die Kinder lebten auf, spielten und sangen mit den anderen. Sie lernten zudem "Braille", die Blindenschrift, um ebenfalls lesen und schreiben zu können.

Damit die Kleinen nicht wieder nach Hause oder in die Fremde mussten, wuchs die Schule mit dem Nachwuchs mit. 2005 eröffnete die erste Schulklasse. 2011 folgte Dank der Förderung durch die deutsche Christoffel Blindenmission die weiterführende Schule bis inzwischen zur 10. Klasse. "Da wir Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichten, hatten wir damals die erste gemischte Schulklasse in ganz Jordanien", erinnert sich der gebürtige Palästinenser.
 
Dabei blieb es nicht. Die Schule verschrieb sich in der Region auch dem Zusammenleben der Religionen. "Ein Drittel unserer Schüler sind Christen, zwei Drittel Muslime. Wir leben damit das tolerante Miteinander der Religionen wie seit 1.400 Jahren", erklärte Esaid. Insgesamt leben in der Region Irbid, in der sich auch viele syrische Bürgerkriegsflüchtlinge aufhalten, etwa 1,7 Millionen Muslime und 15.000 Christen.

Aktuell setzt sich die Schule zwei Ziele und sucht dafür Förderer. Das sind der Aufbau einer Werkstatt für handwerklich orientierte Schulabgänger sowie eine zweijährige Fachschule mit Ausbildungsangeboten zum Berufseinstieg. "Erst dann haben unsere blinden und sehbehinderten Schüler wirkliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt", weiß der Seelsorger.

Das Weitmarer Pfarrer-Ehepaar Ulrike und Andreas Menzel hatte Esaid zum Vortrag eingeladen. Ihr Ziel ist es, das Anliegen des anglikanischen Pfarrers von Seiten der Gemeinde zu fördern. WH

Weitere Informationen unter www.aeschool.org sowie bei Diakon Gunter Hell, dem deutschen Kontaktmann zur Schule: 039997/889799 oder GunterHell(at)t-online.de.

Fritz-Wicho Herrmann-Kümper