Bürger retten kulturhistorischen Friedhof

Erstellt am 16.10.2018

Ümminger Kirchhof ist Teil der Bochumer Stadtgeschichte

Geschafft! Der historische Ümminger Kirchhof auf dem evangelischen Friedhof Ümmingen ist wieder- instandgesetzt. Die "Initiative zur Erhaltung des Ümminger Kirchhofs" setzte nun den Schlusspunkt der Sanierung mit einem Festakt auf dem historischen Gelände.

Pfarrer Christian Zimmer von der evangelischen Kirchengemeinde Querenburg, der zu den Gründungsmitgliedern der Initiative gehört, eröffnete die Veranstaltung. "Wir sind voller Freude, dass der Ümminger Friedhof neuen Glanz erhält und wir damit einen Beitrag zur Stadtgeschichte Bochums leisten können", erklärte er zur Begrüßung der rund 100 Besucherinnen und Besucher.

Zimmer erinnerte daran, dass der Friedhof bereits im Jahr 2015 den 9. Platz unter den schönsten Friedhöfen in ganz Deutschland erreicht hat. Nun sei beeindruckendes dazu gekommen mit dem Ensemble aus Grundmauern der alten Ümminger Bauernkirche - erstmal 1164 urkundlich erwähnt, 1895 abgerissen - sowie den 76 historischen Grabsteinen (ältester aus dem Jahr 1623). Sein Wunsch: "Viele Menschen sollen an diesem Ort des Friedens Ruhe, Inspiration und Frieden finden."

Stadtteilhistoriker Clemens Kreuzer freute sich ebenfalls. Vor drei Jahren stieß er über die Vortragsreihe „Bochums Kirchen im Mittelalter“, die die Evangelische Stadtakademie mit katholischen und städtischen Partnern organisiert hatte, auf den verwahrlosten historischen Kirchhof. In seinem Vortrag zur Ümminger Kirche in der Christuskirche Langendreer betonte er: „Ich halte das für eine kirchen- und kulturgeschichtlich unerträgliche Ignoranz!“

Historiker gründet "Initiative zur Erhaltung des Ümminger Kirchhofs"

Kreuzer beließ es nicht bei der scharfzüngigen Kritik. Er packte die Sache an und mobilisierte die Querenburger Gemeinde, Bürger, Vereine und weitere Organisationen. Ausgangspunkt war im März 2017 die von ihm gegründete "Initiative zur Erhaltung des Ümminger Kirchhofs" mit 20 Erstmitgliedern. Inzwischen hat sie 60 Mitglieder. Dieser steht ein sechsköpfiger, so genannter Entscheider-Kreis vor, in dem unter anderem Kirchmeisterin Ulrike Frielinghaus mitwirkt. Dieser Gruppe galt zu allererst der Dank des heute 80-Jährigen.

Der Sprecher erklärte: "Unsere ursprüngliche Absicht, die Sanierung der Anlage in großen Teilen in Eigenarbeit der Initiative zu bewältigen, stellte sich als unrealistisch heraus." Vor allem lag das an den eingeholten Kostenvoranschlägen von Fachfirmen, die mit bis zu 20.000 Euro allein für den Kirchengrundriss das zum Zeitpunkt vorhandene Budget sprengten.

Da stellte sich heraus, wie tragfähig das Netzwerk aus Bürgern, Vereinen, Ortspolitik und Organisationen ist. Der Fachbereich Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur des Landschaftsverbandes-Westfalen-Lippe (LWL) beteiligte sich mit 7.300 Euro daran. Kreuzer: "Gespräche mit unseren korporativen Mitgliedern Verkehrs- und Geschichtsverein Langendreer/Werne und „Langendreer hat’s“ sowie mit dem Verlag der Dorfpostille und eine Vorstellung des Projekts in der Bezirksvertretung Bochum-Ost ergaben Zusagen finanzieller Unterstützung in Höhe von zusammen 6.000 Euro. Das hat im Sommer vorigen Jahres die Fortführung des Vorhabens gerettet."

Finanzhilfe leisteten zudem unter anderem die Sparkassen-Stiftung für Kultur und Wissenschaft (10.000 Euro), ein Volksbank-Voting der Kirchengemeinde (5.000 Euro) sowie der Bürgerverfügungsfond von WLAB (8.000 Euro).

Die Stiftung-NRW gab 21.000 Euro. "Vor allem der bürgerschaftliche Einsatz überzeugte uns, das Vorhaben mitzufinanzieren", erklärte deren Ehrenpräsident Jochen Borchert. Kreuzer: "Besonders stolz sind wir, dass rund 10.000 Euro aus privaten Einzelspenden und den Zuschüssen örtlicher Vereine kamen.

Der Kirchhof benötigt auch künftig regelmäßige Pflege

Nach der Restaurierung ist vor der Pflege des Kirchhofs. "Wenn sich niemand in den nächsten zehn Jahren um das Ensemble kümmert, besteht die Gefahr der erneuten Verwahrlosung", gab sich Vorsitzender Rolf Hiby vom Verkehrs- und Geschichtsverein Langendreer/Werne e.V. im Gespräch nachdenklich.

Über 67.000 Euro kostete das Instandsetzen der 76 Grabsteine, des historischen Kirchengrundrisses sowie des Weges. Eine Informations- und zwei Schautafel informieren die Besucher über das historische Kleinod.

Der historische Kirchhof ist über den evangelischen Friedhof Ümmingen, Ecke Alte Ümminger Straße/Auf dem Rüggen erreichbar.                                                Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

Zahlreiche Besucher feierten die erfolgreiche Sanierung des historischen Kirchhofes.

Die sanierten historischen Grabsteine auf dem Ümminger Kirchhof. Fotos: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

Spenden für eine Bank

Für eine Bank sammelt die "Initiative zur Erhaltung des Ümminger Kirchhofs" Spenden auf das Konto der evangelischen Kirchengemeinde Querenburg, Sparkasse Bochum (IBAN DE83 4305 0001 0033 4093 76), Stichwort "Kirchenbank Friedhof Ümmingen".