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IV. Zukünftige Herausforderungen

Ziel und Aufgabe der Prognose

Im Zusammenhang der Entwicklung einer Kirchenkreiskonzeption hat eine Prognose die Aufgabe, ein wenig Licht in den Tunnel der Zukunft zu werfen und die Herausforderungen zu beschreiben, denen sich die Evangelische Kirche in Bochum zukünftig stellen muss.

Es geht somit im Folgenden nicht um Zahlen, die bis auf die letzte Kommastelle zu- treffen müssen. Es geht darum, die großen Linien zu erkennen, die die Zukunft langfristig beeinflussen werden.

 

Veränderungen im Klima und Rückgang vorhandener Ressourcen

Eine der größten Herausforderungen, der sich heute die Menschheit stellen muss, ist der Klimawandel. Forscher schätzen, dass es aufgrund der Folgen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten zwischen 46 Staaten zu bewaffneten Konflikten und darüber hinaus in 56 Staaten zu politischen Konflikten kommen kann. Einer der Brennpunkte sind Nordafrika, die Sahelzone und das südliche Afrika.

Die ersten Folgen des Klimawandels sind inzwischen eingetreten. In der europäischen Landwirtschaft gab es die ersten regionalen Ernteausfälle. Die Regierung Papua Neuguineas musste die erste Insel evakuieren. Die Pole und die Gletscher beginnen abzuschmelzen. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge weltweit fliehen vor Auswirkungen des Klimawandels.

Forscher der Universität der Vereinten Nationen befürchten, dass heute ein Drittel der Menschheit (zwei Milliarden Menschen) potentiell Opfer der immer stärker fortschreitenden Wüstenbildung werden. Falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, werden in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Menschen als Umweltflüchtlinge heimatlos. Es kann nicht abgeschätzt werden, was dies für die Ursprungs- wie Zielgebiete der Menschen bedeutet.

Schon heute sind die Folgen der Verknappung der Ressourcen an fossilen Energieträgern wie besonders Kohle und Öl, Frischwasser, Mineralstoffen und Metallen zu spüren. In zunehmenden Maß werden die Energiepreise weiter steigen; die Gewinnung alternativer Energien wird eine steigende Bedeutung bekommen wie auch die Entwicklung von Maßnahmen zur Vermeidung oder Einschränkung des Energieverbrauches.

Aus ihrem Auftrag heraus die Schöpfung zu bewahren und mit Blick auf den Klimawandel engagiert sich die Evangelische Kirche, um den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung weiterzugeben und künftig selbst dieses Ziel zu verfolgen.

Das Leitbild dabei ist die nachhaltige Entwicklung. Mit Blick auf Kirchenkreis und Gemeinden sind der Verbrauch von Heizenergie, Strom, Wasser und Papier im Auge zu behalten, Bauvorhaben ökologisch zu planen. Zusammengefasst werden diese Aktivitäten im kirchlichen Umweltmanagementsystem der „Grüne Hahn“.

Entwicklung der Armut

Bisher war es in Studien nicht möglich, die Entwicklung von Armut in der Gesellschaft längerfristig zu prognostizieren. Allerdings ist von einer Zunahme der Altersarmut auszugehen, da das Rentenniveau sinkt und die persönlichen Rentenanwartschaften abnehmen werden. Damit wird die Zahl der Menschen, die auf eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter angewiesen sind, mit großer Sicherheit zunehmen. Darüber hinaus ist mit einer Verschiebung der Armut durch Arbeitslosigkeit hin zu einer Armut bei gleichzeitig nur gering bezahlter Erwerbstätigkeit zu rechnen.

Armut ist mit Ausgrenzung verbunden. Als Folge sind die Betroffenen, auch Gemeindeglieder, nicht nur in ihrer Lebensführung, sondern auch in der Teilhabe an gesellschaftlichen oder kirchlichen Angeboten eingeschränkt.

In einzelnen Bochumer Stadtteilen wird sich voraussichtlich der Überalterungsprozess beschleunigen. Verbunden damit ist, dass zunehmend mehr Menschen aufgrund ihrer Lebenssituation mit geringfügiger Rente und damit mit Altersarmut rechnen müssen.

Mit Blick auf die Kinder in Bochum ist festzuhalten, dass Armut nicht nur ein rein finanzielles Problem darstellt. Armut gilt unbestritten in dieser Lebensphase als Hauptursache für eine schlechtere schulische Ausbildung und gesundheitliche Entwicklung. Ausgrenzung aus dem normalen gesellschaftlichen Leben gehört zu den auffälligsten Zeichen der Armut. Klassenfahrten, Sportvereine, der Besuch von Freizeiteinrichtungen und oft sogar der Besuch beim Kindergeburtstag sind nicht finanzierbar und führen zu einer Abkoppelung der Betroffenen vom gesellschaftlichen Alltag.

Die Evangelische Kirche in Bochum bietet von Armut betroffenen oder bedrohten Personen mit unterschiedlichen Angeboten Unterstützung und Begleitung. So gibt es z. B. unterschiedliche Beratungs- und Bildungsangebote sowie personenbezogene Unterstützungen in den Fachbereichen „Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung“ oder „Seelsorge und Beratung“.

 

Veränderung der Mediennutzung

Die gesellschaftliche Hauptkommunikationsform verschiebt sich zunehmend vom unmittelbaren Austausch zwischen Personen hin zu einer indirekten Kommunikation über Medien. Dies ist eine Form von mittelbarer Kommunikation, die geprägt ist durch geringe wechselseitige Rückkoppelung, hohe Anonymität und Distanz sowie hochgradige Selektion und individuelle Deutungsleistungen des „Empfängers“.

Immer weniger Menschen lesen Tages- und Wochenzeitungen. Wenn sie sich informieren, dann zunehmend über das Internet, das durch tragbare Computer und Mobiltelefone immer und überall verfügbar ist. Damit wird das Mobiltelefon zum jederzeit verfügbaren Einkaufsberater, Wegweiser, Informationslieferanten und Freundesnetzwerk. Über das Mobiltelefon werden vor allem örtlich bezogene Hinweise gleich an Ort und Stelle umgesetzt.

Innerhalb weniger Jahre ist es zu einer rasanten Verbreitung und Nutzung „sozialer Netzwerke“ im Internet gekommen. Manche Kommunikationswege verlaufen fast ausschließlich über diese Kanäle.

Diese Entwicklungen machen für die Evangelische Kirche in Bochum eine kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Kommunikationsformen notwendig. So hat sie ihr Internetangebot überprüft und neu gestaltet. Ein Newsletter wurde konzipiert und gehört inzwischen zu den selbstverständlichen Informations-angeboten. Die Frage der Präsenz in sozialen Netzwerken sowie die Nutzung anderer Kommunikationsformen ist noch nicht abschließend erörtert.

 

Gesundheit

In einem Teil der Gesellschaft nimmt das Gesundheitsbewusstsein zu. Immer mehr Menschen achten auf bewusste Ernährung, kaufen Bioprodukte und treiben Freizeitsport. Zugleich steigt das durchschnittliche Lebensalter der Bevölkerung. Dies führt zu Veränderungen in der Lebensführung und der eigenen Gesundheit, die mit einem höheren Alter verbunden sind. Zur Erhaltung eines selbstbestimmten Lebens sowie der geistigen wie körperlichen Fähigkeiten ist Unterstützung notwendig. Dies führt zu einem steigenden Bedarf an seniorengerechten Produkten, Hilfsmitteln sowie Informations- und Schulungsangeboten.

Weiterhin ist mit einem höheren Lebensalter eine veränderte Sichtweise der eigenen Person verbunden. Die Fragen an das Leben und den Glauben werden aus einer veränderten Perspektive gestellt. Informationen und Erfahrungsaustausch können helfen, Unsicherheiten zu beseitigen und Orientierung im sich verändernden Leben zu behalten.

Die Angebote der Erwachsenen- und Familienbildung sowie der Gemeinden von Informationsveranstaltungen bis hin zur Seniorengymnastik sind von Bedeutung.

 

Kulturelle Vielfalt

In den Großstädten, so auch in Bochum, haben sich zahlreiche unterschiedliche Lebensformen entwickelt. Menschen, deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert sind oder durch Flucht nach Bochum kamen, leben mit Menschen, deren Familien in Westfalen eine lange Geschichte haben, zusammen.

Eine der Stärken Bochums ist, dass hier seit Generationen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben und -arbeiten. So ist auch hier gewachsen, was von außen betrachtet das Ruhrgebiet ausmacht: eine Mischung von unterschiedlichen Kulturen und Lebensstilen. Diese Entwicklung hat einen weiteren Schub in den letzten Jahrzehnten erhalten. Zum Beispiel durch Zuwanderung größerer Bevölkerungsgruppen u. a. aus Russland und der Türkei.

Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Altersgruppen und Prägungen haben ihre je eigenen Kulturen und Lebensformen entwickelt, die auf der Ebene der Stadt zusammenkommen, sich vermischen oder nebeneinander existieren.

In ihnen spiegeln sich zugleich zunehmend unterschiedliche konkurrierende Wertesysteme aus verschiedenen Kontinenten. Es entstehen gemischte Kulturen und Religionen, eine neue Kulturmischung und kulturelle Vielfalt gespeist aus unterschiedlichen Quellen, die zukünftig das Denken und Handeln noch stärker prägen wird als heute.

Daneben stehen die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, mit denen diese Menschen leben. Die damit verbundenen gesellschaftlichen Integrationsprobleme aber auch die vorhandenen Chancen sind zu erkennen.

Für die Evangelische Kirche in Bochum stellen der sich zukünftig intensivierende interreligiöse Dialog und die damit verbundene Aufgabe zur eigenen theologischen Positionierung in diesem Kontext eine Herausforderung dar. Einerseits entstammt sie einer theologischen Tradition, die durch die nationale Geschichte geprägt ist. Andererseits hat sie durch die Geschichte des Ruhrgebietes Erfahrungen mit Zuwanderungen und dem damit verbundenen Dialog und der Integration neu hinzukommender Bevölkerungsgruppen, die sie für zukünftige Dialoge fruchtbar machen kann.

Neu an diesem Dialog wird sein, dass er in einem multikulturell und multireligiös geprägten Umfeld stattfinden wird. So wird die Evangelische Kirche in Bochum gezwungen sein,  auch selbstverständlich Erscheinendes in Frage zu stellen und neu zu reflektieren, um dialogfähig zu bleiben.

Sie kann dabei auf den Erfahrungen und Kenntnissen aufbauen, die in den letzten Jahren vor allem in den Arbeitsbereichen der Synodalbeauftragung für den christlich–jüdischen Dialog, der Islambeauftragung und dem Fachbereich Integrationsagentur/Interkulturelle Arbeit im Jugendpfarramt sowie im Rahmen der Veranstaltungen der Stadtakademie gewonnen wurden.

 

Familie, Frauen- und Männerrollen

Die Evangelische Kirche von Westfalen vertritt einen funktionalen Familienbegriff: "Familie ist da, wo Menschen dauerhaft und generationenübergreifend persönlich füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen." Dieser Familienbegriff würdigt die "klassische" Familie genauso wie neuere Formen, in denen Familie gelebt wird.

Familie hat sich über die Zeiten verändert und immer wieder den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. Die Familienform "Ehepaar mit Kindern" ist heute immer noch die häufigste Familienform. Dazu gehören auch „Patchworkfamilien“. Weiter angestiegen ist vor allem die Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften, die sich in den letzten zwölf Jahren fast verdoppelt hat. Eine Zunahme ist auch bei Alleinerziehenden zu beobachten. Das Alleinerziehen ist offenbar „Frauensache“: In neun von zehn Fällen war der alleinerziehende Elternteil im Jahr 2009 die Mutter. Nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nehmen zu, ebenso Wochenendehen, getrennte Haushalte und Pendelbeziehungen.

In diesen Lebensformen spiegelt sich das Verständnis der Geschlechterrollen. Es ist allgemein anerkannt, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Die Mädchen und jungen Frauen haben die Bildungsbenachteiligung an Schulen und Universitäten überwunden. Dieser Bildungsvorteil im schulischen Bereich wird von den jungen Frauen allerdings schon an den Universitäten wieder eingebüßt. Nur 44 Prozent der Promotionen werden von Frauen abgegeben und sogar nur 24 Prozent aller Habilitationen. Professuren werden zu 80 Prozent von Männern besetzt.

In der Evangelischen Kirche von Westfalen finden sich unter den Pfarrerinnen und Pfarrern etwa 35 Prozent Frauen. Während noch etwa ein Drittel der Pfarrstelleninhaber Frauen sind, sind es im Probedienst fast 67 Prozent und unter den Vikaren etwa 65 Prozent. Auch unter den leitenden Theologen steigt der Anteil der Frauen.

Bei Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft bestätigt sich dieses Bild nach wie vor: Nur 20 Prozent der Führungspositionen in der Privatwirtschaft werden mit Frauen besetzt. Auch im politischen Raum sind Männer nach wie vor tonangebend: In deutschen Kommunalparlamenten sitzen zu 75 Prozent Männer, in Landesparlamenten und Ministerien sind 75 Prozent der Stellen von Männern  besetzt. Insbesondere Bürgermeister und Landräte sind männliche Domänen: Hier sind 92 Prozent der Stelleninhaber männlich.

Zwar werden zunehmend unterschiedliche Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern im öffentlichen Leben, auf dem Arbeitsmarkt sowie der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von vornherein berücksichtigt. Das Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern effektiv in allen gesellschaftlichen, sozialen und politischen Bereich verwirklichen zu können, ist noch nicht erreicht. Es bleibt noch einiges zu tun, bis die Leitidee der Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt sein wird.

In der Evangelischen Kirche in Bochum wird die Frage der Geschlechterrollen und der Gleichstellung von verschiedenen Stellen wahrgenommen. Zum einen durch die Tätigkeit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Darüber hinaus hat das Frauenreferat u. a. die Aufgabe Frauen in der kirchlichen Öffentlichkeit verstärkt Gehör zu verschaffen und die vielfältigen Lebenssituationen und Lebensformen von Frauen in Kirche und Gesellschaft öffentlich zu machen. Dies geschieht in enger Kooperation mit der Evangelischen Frauenhilfe.

 

Individualisierung

Der gesellschaftliche Trend der Individualisierung vollzieht sich gleichzeitig mit der Veränderung sozialer Bindungen in der Gesellschaft. Am stärksten wird diese Entwicklung durch Änderungen in der Mentalität des jeweils Einzelnen vorangetrieben. Geprägt durch die weltanschauliche Pluralisierung und die biografische Individualisierung entsteht eine Gruppe weltanschaulich indifferenter Menschen.

Durch diese Prozesse wird bisher Selbstverständliches infrage gestellt. Die traditionellen, bisher selbstverständlichen Lebensentwürfe lösen sich zunehmend auf. Jeder und jede müssen ihre Lebensentwürfe und –rollen für sich neu erfinden und begründen. Für kirchliche Angebote heißt dies, dass sie in Konkurrenz zu anderen Angeboten stehen. Der Einzelne prüft, ob sich nicht eine für ihn bessere oder angenehmere Möglichkeit bietet.

Damit werden der persönliche Aufwand und der Entscheidungscharakter für die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen zugespitzt. Sie können nur noch durch eine hohe persönliche Bindung, Selbstverpflichtung oder eine entsprechende Attraktivität erreicht werden.

Diese Entwicklungen gehen einher mit einer Individualisierung und einer Veränderung der Bedingungen sozialer Bindungen. Diese sind stärker zeitlich befristet und durch Kosten-Nutzen-Effekte geprägt als früher. Die gewohnten Milieus werden perspektivisch weniger stark die Gemeinden tragen, die sich stärker auf den Einzelnen einstellen müssen.

Die Evangelische Kirche in Bochum nimmt diese Entwicklungen aus dem Blickwinkel der in der Reformation besonders betonten theologischen Einsicht in die besondere Bedeutung der Stellung des Einzelnen vor Gott wahr. In Veranstaltungen der Stadtakademie werden Inhalte und Aussagen des Glaubens mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie den beschriebenen in Beziehung gesetzt und reflektiert. Die Überzeugung, dass jede und jeder als Einzelner vor Gott steht, findet ihren Niederschlag auch in besonders persönlich gestalteten Amtshandlungen, Gottesdiensten für Zielgruppen oder der Stärkung und Qualifizierung Mitarbeitender und ihrer Gaben.

 

Religiöse Sozialisation

Allgemein werden eine zunehmende Entkirchlichung und ein Rückgang traditioneller Religiosität im Rahmen der allgemeinen Säkularisierung beobachtet. Kirchenaustritte, Rückgang von Gottesdienstbesuchen, weniger kirchliche Angebote in Medien führen dazu, dass religiös zu sein oder „an Gott zu glauben“ für den Einzelnen immer weniger selbstverständlich ist. Dies steht im Kontext einer Säkularisierung des Alltags. Christliche Riten wie Gebete oder der Gottesbezug beim Eid, der Sonntag und die Wahrnehmung des Kirchenjahres verlieren an Bedeutung.

In dieser Situation des Wegfalls des tragenden gesellschaftlichen Rahmens kommt für die religiöse Sozialisation des Einzelnen den persönlichen Bezugspersonen eine besondere Bedeutung zu. Sie haben wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung von Einstellungen, Werten und damit auf die Entwicklung der Religiosität. So nehmen Bezugspersonen die Stelle ein, die früher einmal die Eltern und andere Autoritäten innehatten.

Dies gilt sowohl für die Entwicklung der Religiosität von Kindern und Jugendlichen als auch für die Weitergabe des Glaubens unter Erwachsenen, wie eine Studie an der Universität Greifswald zeigt.

Für die Arbeit in den Handlungsfeldern der Evangelischen Kirche in Bochum ist die Wahrnehmung der persönlichen Beziehung von besonderer Bedeutung. So ist sie im Fachbereich „Erziehung und Bildung“ im Rahmen der religiösen Sozialisation in der Arbeit der Kindertagesstätten, der Angebote des Jugendpfarramtes oder der Tätigkeiten an den Schulen unabdingbar. Aber auch Glaubenskurse für Erwachsene sehen die persönliche Beziehung als wesentlich an.

Evangelischer Kirchenkreis Bochum – Veränderung der Gemeindegliederzahl

Die Entwicklung der Gemeindegliederzahl korrespondiert mit der Bevölkerungsentwicklung. So ist die Gemeindegliederzahl von 184.365 im Jahr 1975 auf 96.847 am 31. 12. 2012 zurückgegangen. Legt man einen jährlichen Rückgang um zwei Prozent zugrunde, wie er in den letzten Jahren durchschnittlich eingetreten ist, würde die Gemeindegliederzahl 2020 bei 82.360 liegen.

Auch die Entwicklung der Altersstruktur korrespondiert mit der der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der älteren Gemeindeglieder wird kontinuierlich zunehmen,  der der jüngeren abnehmen.

Berücksichtigt man die Erwartungen der Gemeindeglieder, ist auf die Themenfelder, gottesdienstlich-geistliches Leben, Begleitung durch Amtshandlungen an Schwellensituationen des Lebens und diakonisch helfendes Handeln für spezifische Zielgruppen  ein besonderer Akzent zu setzen. Sie haben für die Kirchenbindung der breiten Basis der Kirchenmitglieder eine zentrale Bedeutung. Für die Zukunft wird die Mitgliedergewinnung und -bindung eine wachsende Bedeutung erhalten. Deshalb ist durch Weiterentwicklung der Angebote im Sinne der Mitgliederorientierung auf Veränderungen in der Mitgliedererwartung einzugehen.

 

Kirchensteuerentwicklung

Nach einer Mitgliederprognose der EKD vom August 2004 wird es bundesweit im Jahre 2030 voraussichtlich ein Drittel weniger Kirchenmitglieder geben als im Jahre 2002. Bei einem Rückgang der Gemeindegliederzahl um ein Drittel, verbunden mit der demographischen Entwicklung, dürfte sich die Finanzkraft der Kirche halbieren.

Trotz dieses langfristigen Trends sind zurzeit die Haushaltsberatungen entspannt, da es in den letzten Jahren gegenüber den Finanzplanungen Kirchen-steuermehreinnahmen gab.

So ist die mittelfristige Finanzplanung 2012 der Evangelischen Kirche von Westfalen gegenüber 2011 erneut positiv verändert worden. Es bleiben jedoch die Risiken, die z. B. mit einer Konjunkturabschwächung durch die derzeitige Eurokrise oder mit weltwirtschaftlichen Veränderungen verbunden sind.

Für die Finanzplanung 2012 des Kirchenkreises Bochum bedeuten die Entwicklungen in konkreten Zahlen (in Klammern EKvW), dass für 2013 mit einer Kirchensteuereinnahme von 10,27 Millionen € gerechnet wird (430 Mio. €), für 2014 mit 10,27 Millionen € (430 Mio. €), 2015 mit 10,11 Millionen € (425,1 Mio. €) und 2016 mit 10,04 Millionen € (420,2 Mio. €).

Mithilfe der außerplanmäßigen Mehreinnahmen baut die Evangelische Kirche in Bochum eine Rücklage auf. Sie ermöglicht es den Gemeinden, auch bei sinkenden Kirchensteuereinnahmen über mehrere Jahre hinweg eine kontinuierliche Finanzzuweisung zu sichern. So können sie sich planvoll auf die geringer werdenden Ressourcen vorbereiten.

Für die Zukunft des Kirchenkreises ist jedoch der mittelfristige Trend entscheidend, der schon aufgrund der demographischen Entwicklung für die Zukunft einen deutlichen Kirchensteuerrückgang aufzeigt.

 

Entwicklung Pfarrstellen, Pfarrerinnen und Pfarrer im Entsendungsdienst und im Beschäftigungsauftrag

Die Evangelische Kirche von Westfalen geht von einem kontinuierlichen Rückgang der Gemeindegliederzahlen aus. Gleichzeitig soll westfalenweit eine Quote von 3000 Gemeindegliedern pro Gemeindepfarrstelle erreicht werden.

Weiter ist vorgesehen, pro 20.000 – 25.000 Gemeindeglieder mindestens eine nicht refinanzierte kreiskirchliche Pfarrstelle im nichtgemeindlichen Bereich einzurichten.

Pfarrerinnen und Pfarrer im Entsendungsdienst werden etwa ab 2015 verstärkt die Möglichkeit haben, in Pfarrstellen zu kommen.

Für die Evangelische Kirche in Bochum bedeutet das auf Grundlage der genannten Eckdaten, dass 2020 voraussichtlich 27,45 Gemeindepfarrstellen zur Verfügung stehen, ein Rückgang um etwa acht Pfarrstellen.

Bis Ende 2020 ist in den Gemeinden des Kirchenkreises das Freiwerden von 9,5 Gemeindepfarrstellen durch Pensionierungen abzusehen. Weiterhin werden aus den Reihen des Funktionsdienstes 4,25 Pfarrstellen durch Pensionierungen frei werden.

Die Anzahl und die Besetzung der Stellen in den Arbeitsbereichen, die mit Pfarrerinnen oder Pfarrern im Entsendungsdienst oder im Beschäftigungsauftrag besetzt sind, hängen im Wesentlichen von den Entwicklungen auf landeskirchlicher Ebene ab. Neun derzeit in diesen Bereichen tätige Personen werden bis 2020 das Ruhestandsalter erreichen.

Für die Evangelische Kirche in Bochum bedeutet dies, dass sie sich auf strukturelle und personelle Veränderungen einstellen muss. Zur Absicherung der pfarramtlichen Versorgung ist die Vereinigung von Kirchengemeinden zu fördern. Die Absicherung von bisher hauptamtlich wahrgenommenen Arbeitsfeldern auf Kirchenkreisebene macht eine Verstärkung der Bemühungen zur Gewinnung, Ausbildung und Begleitung Ehrenamtlicher notwendig. Darüber hinaus kann es zur Neu- und Umstrukturierung von Arbeitsfeldern kommen.

 

Entwicklung Mitarbeitende

Mit Blick auf die Zukunft lassen sich die kommenden Herausforderungen im Bereich der Mitarbeitenden außerhalb des Pfarrdienstes zurzeit ansatzweise prognostizieren. Die Entwicklung der Rahmenbedingungen zeigt zurückgehende Finanzzuweisungen bei gleichzeitigen Steigerungen der Personalkosten.

Darüber hinaus ist schon heute die Gewinnung qualifizierter Mitarbeitender schwierig und wird sich zukünftig noch schwieriger gestalten. Aus diesem Grund wird zukünftig u. a. eine Weiterentwicklung des Personalentwicklungskonzeptes mit einem Schwerpunkt auf Gewinnung, Qualifizierung und Förderung notwendig sein.

Zukünftig wird die Begleitung ehrenamtlich Mitarbeitender durch Hauptamtliche eine höhere Bedeutung erlangen. Die vorhandene Unterstützungsstruktur ist weiter zu entwickeln und in ein zu formulierendes Ehrenamtskonzept einzuarbeiten.

Schon heute zeigt sich, dass sich ehrenamtlich Mitarbeitende zukünftig noch stärker als heute projektbezogen, aber nicht dauerhaft einbringen wollen.