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Bochums Superintendent Gerald Hagmann (l.) pflanzte in der JVA einen Apfelbaum als Zeichen der Hoffnung. Die Gefängnisseelsorger Uta Klose und Burghard Boyke (Mitte) begleiten ihn dabei ebenso wie einige Gefangene. Foto: Frauke Haardt-Radzik

Zuallererst war der Gärtner im Superintendenten gefragt. Und so hieß es zunächst: Raus aus der Stube, rein in die Rabatten und dann den Spaten zur Hand. Als Zeichen der Hoffnung in dieser häufig hoffnungslosen Umgebung pflanzte Gerald Hagmann mitten auf dem Hof der Justizvollzugsanstalt (JVA) Krümmede einen kleinen Apfelbaum.

Einige Häftlinge begleiteten den Superintendenten dabei und gossen reichlich Wasser, damit das kleine Pflänzchen die Chance zum Wachsen und Gedeihen erhält.

Hagmann zitierte die Worte, die Martin Luther zugesprochen werden: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“

Ob dieser Satz tatsächlich von Luther stamme, sei eigentlich gar nicht so wichtig. „Der Inhalt ist wichtig: Wenn alles kaputt geht, es bleibt ein Zeichen der Hoffnung. Wir Christen haben die Hoffnung über den Tod hinaus“, formulierte Superintendent Hagmann den christlichen Gedanken während der sich anschließenden Gesprächsrunde.

Uta Klose und Burghard Boyke, beide als evangelische Pfarrer  in der JVA tätig, hatten die Idee zur Baumpflanz-Aktion. „Solch ein Zeichen der Hoffnung können wir hier gut gebrauchen“, freute sich Pfarrerin Klose.

Etwa 750 Männer mit unterschiedlich langen Haftstrafen, von neun Monaten bis lebenslänglich, sind hier inhaftiert. Knapp 40 von ihnen fanden sich zum Gespräch mit dem Superintendenten in der Gefängniskirche ein.

Hagmann stellte ein Motto Luthers an den Beginn der Gesprächsrunde, das jetzt im Zusammenhang mit dem diesjährigen Reformationsjubiläum große Bedeutung hat: Einfach frei! Gemeint ist die Freiheit des Christenmenschen, doch der Superintendent wollte von den Gefangenen wissen, wie solch ein Wort auf sie wirke, eingesperrt, vielleicht für viele Jahre.

Ohne Scheu und lange Anlaufzeit nahmen die Inhaftierten den Gesprächsfaden auf, ergriffen die Chance zu einem intensiven Austausch mit Bochums oberstem Protestanten.

„Auch Menschen, die draußen leben, haben Einschränkungen, sind nicht immer frei“, stellte einer von ihnen fest, und ein anderer ergänzte: „Im Kopf kann man auch hier drinnen frei sein.“

Wie ist das Gefühl der Unfreiheit hier im Gefängnis?“, wollte Hagmann wissen, und ein älterer Gefangener nannte die Situation, von anderen abhängig zu sein, als sehr beklemmend. „Ich hab mich draußen in der Unfreiheit verfangen, hier drinnen wird für mich alles geregelt, hier bin ich freier“, warf dagegen sein Nachbar in die Gesprächsrunde ein.

Nach und nach kommen immer mehr Wortmeldungen, ein sehr intensiver Austausch über Freiheit, Verantwortung und Hoffnung beginnt. Hatte der Superintendent anfangs die Befürchtung, mit seiner Frage nach der persönlichen Freiheit innerhalb der Gefängnismauern vielleicht zu persönlich und direkt zu sein, bewiesen ihm seine Gesprächspartner in der Gefängniskirche, dass dies völlig unbegründet war.

„Die Freiheit nehm ich mir“, diesen Werbeslogan nahm Seelsorger Burghard Boyke nach einer guten Stunde zum Anlass, nach der kleinen Freiheit in der unfreien Situation innerhalb der Mauern zu fragen. „Morgens erstmal meine Musik zu hören, bevor es zur Arbeit geht / Meine nächtlichen Träume, die sind frei“, so die abschließenden Aussagen nach einem intensiven Gedankenaustausch, der gewiss beide Seiten bereichert und zum Nachdenken angeregt hat.

15.11.2017
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 21. Januar 2018:
Losungstext:
Ich will deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast dein Wort herrlich gemacht um deines Namens willen.
Psalm 138,2
Lehrtext:
Jesus betet: Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
Johannes 17,26