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Gut besucht war der Vortrag von Soziologieprofessor Hartmut Rosa (kl. Bild). Fotos: Frauke Haardt-Radzik

„Wir haben lange auf Sie gewartet!“ Arno Lohmann, Leiter der Evangelischen Stadtakademie, beschrieb die jahrelangen intensiven Bemühungen, den Soziologieprofessor Dr. Hartmut Rosa für einen Vortrag nach Bochum zu holen. Neues Jahr, neues Glück! Gleich zur Eröffnung des Halbjahresprogramms wurde die Einladung erhört und rund 150 Bochumerinnen und Bochumer waren gespannt auf das, was Rosa zu sagen hat.

Da aber der überschaubare Saal der Stadtakademie auf so viele Menschen nicht ausgelegt ist, zog man kurzerhand in einem Raume der benachbarten Volkshochschule um.

„Was treibt uns an? Was sind die Hoffnungen, denen wir folgen?“ Mit diesen Grundsatzfragen stieg Rosa, Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt, in rasantem staccato Vortragstempo ins Thema des Abends ein. Moderne Gesellschaften müssten sich ständig steigern, um das zu erhalten, was sie haben. Beschleunigung, immer höher, schneller, besser. Doch was macht das mit dem einzelnen Menschen? Warum gelten Burnout und Depressionen mittlerweile als Volkskrankheiten und was kann das einzelne Individuum tun?

Hartmut Rosa führt den Begriff der „Resonanz" in die Soziologie ein: „Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Antwort.“ Dabei geht es ihm um die Neubestimmung unserer Beziehung zur Welt und um die Bedeutung einer lebendigen Resonanz in Anbetracht der großen Krisen der Gegenwartsgesellschaft. Wir sind zwar vielfältig geschäftig und in Kontakt mit der ganzen Welt - doch kommunizieren wir wirklich miteinander?

Die in Reichweite gebrachte und verfügbar gemachte Welt wird zur schweigenden Welt. Rosa fragt nach gelingendem Leben im Privaten, Sozialen, im Politischen sowie im gesamten Naturverhältnis. Er entdeckt es dort, wo wir die Welt zum Sprechen bringen, wo wir sie hören und wo wir ihr antworten können.

„In unserem Alltag werden wir getrieben von der Verheißung der Weltreichweitenvergrößerung.“ Kompliziertes Wort, das der Vortragende jedoch anhand konkreter Beispiele sehr plastisch verdeutlicht. „Die gesamte Technik ist getrieben von dem Drang, Dinge in Reichweite zu bringen.“ Das Smartphone als Verbindung zu Freunden und Weltnachrichten: Aber warum ist das problematisch?

Nicht alles lässt sich gleichzeitig beschleunigen, einige Gruppen etwa werden bei dem immer rasanteren Entwicklungstempo auf fast allen Lebensebenen abgehängt.

Ein intensiver Abend

Reichweitenvergrößerung als Maßstab und Antriebsmotor zugleich. Doch die Kehrseite dieses immer "höher, schneller, besser" ist, auf den einzelnen Menschen bezogen, eine fehlende Weltanverwandlung, erläutert Rosa in seinem Vortrag. Bei Luther, so Rosa, sei die Sünde so definiert, dass es der Mensch ist, die Seele, die in sich selbst gefangen ist, die verkrümmt ist, die nur noch auf sich selbst bezogen ist und dadurch nicht mehr in der Lage ist, sich berühren zu lassen.

Wir leben in einer dynamisierten Welt, in der wir heute nicht mehr wissen, wie die Welt morgen aussehen wird. Beinah logische Folgerung dieser Tempospirale: Immer mehr Fälle von Burnout und allgemeiner Psycho – Krise. Ursachen dafür in der Sprache des Soziologieprofessors: „Die Resonanzachsen sind stumm geworden.“ Er beobachte eine Unfähigkeit, uns berühren zu lassen, wirklich zu hören und einem Ruf tatsächlich zu folgen. Dies auch als Unfähigkeit zu glauben.

Was könnten Ressourcen für ein gelingendes Leben sein und was meint der Soziologe mit Resonanz? „Wenn mich etwas berührt, wenn ich von etwas oder jemandem angesprochen werde und auch darauf antworte. Dann macht das etwas mit mir.“ Das kann ein meditativer Ausflug in die Natur sein, ein berührender Konzertabend, aber auch die Erfahrung, dass meine Arbeit, mein Tun andere erreicht. Dann hat Resonanz eine verwandelnde Wirkung. „Wer mit einem guten Freund in Kontakt ist, der ist eher nicht entfremdet!“

Doch eine Garantie für solch eine gute Resonanz gebe es nicht, sie lasse sich eben nicht genau planen. Klassisches Beispiel dafür, dass sich eine gute Resonanz eben nicht einplanen lässt, könnten die oft völlig überladenen Erwartungen an einen gelingenden Heiligabend sein. Solch eine Einstellung tauge wohl eher als Garant für eine Entfremdung, so der Vortragende.

In der anschließenden sehr konzentrierten und engagierten Diskussion beleuchteten zahlreiche Zuhörer den Blick auf die Themen Beschleunigung, Zwang zu immer  mehr Wachstum, Entschleunigung, Resonanz aus ihrem ganz individuellen Blickwinkel.

Ein intensiver Abend mit vielen interessanten Impulsen für ein gelingendes Leben heute und in Zukunft.

25.01.2018
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Montag, 28. Mai 2018:
Losungstext:
So spricht der HERR: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich gesund machen.
2.Könige 20,5
Lehrtext:
Lazarus war krank. Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.
Johannes 11,2-3