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Die zwei Pfarrer der Bochumer Innenstadtgemeinde, Albert Schmidt und Prof. Dr. Dr. Hans Ehrenberg, waren durch ihre religiöse Überzeugung Gegner und Opfer der Nationalsozialisten. Daran erinnerte Günter Brakelmann (Foto), emeritierter Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität, am Volkstrauertag bei einer Gedenkstunde in der Stiepeler Dorfkirche.

Die zwei Pfarrer hätten sich, so Brakelmann, eben nicht durch die damalige Gewaltherrschaft verbiegen lassen. Sie stellten sich, bestärkt durch ihr christliches Fundament in Sakrament und Bekenntnis, dem totalitären Zeitgeist und seinem menschenverachtenden Handeln entgegen ohne Rücksicht auf ihr eigenes Ergehen.



Schon im Jahre 1938 habe Schmidt, als er von der Kanzel für inhaftierten Pfarrer Martin Niemöller von der Bekennenden Kirche betete, auf das Bestehen von Konzentrationslagern für Gegner und Verfolgte des Regimes hingewiesen, erinnerte Brakelmann. Als Sprecher der Bekennenden Kirche in Bochum und Umgebung, habe sich Schmidt auch christlich in seinen Predigten zum Zeitgeist positioniert.

So erklärte er unter anderem: „Die Kirche darf nicht zu einer Dirne der Welt gemacht werden, sondern ist die Magd Christi.“ Weil er wiederum von der Kanzel über die Verhaftung seines Amtsbruders und Freundes Hans Ehrenberg an jenem 9. November berichtet hatte, wurde Schmidt später selbst verhaftet. Schwerkrank kam er wieder aus der Haft zurück, weil er als Zuckerkranker dort ohne ärztliche Versorgung blieb.



Ehrenberg, der „Judenpfarrer“, wie er genannt wurde, wuchs im jüdischen Glauben auf, ließ sich dann 1909 in Berlin evangelisch taufen und wurde 1925 nach einem Studium der Theologie Pfarrer an der Christuskirche Bochum. Nach einem Augenzeugenbericht des Vikars Hans Köker ließ Ehrenberg sich nach der Zerstörung seiner Wohnung durch die SA in der Pogromnacht durch die Polizei in Schutzhaft nehmen, bevor ihm Schlimmeres widerfahren konnte. Einen Tag später war er trotzdem auf dem Weg ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin.



Das erschütternde Lagerleben Ehrenbergs vor allem auch als „Vorarbeiter des Leichenkommandos“ zeichnete Brakelmann nach einem Erlebnisbericht des Juden Hans Reichmann nach, der den Bochumer Geistlichen im Lager traf: Als Leichenträger mit Judenstern, der den Toten mit Gebeten den letzten Dienst erweist. Als „Untermensch“ in einer Befehls- und Gehorsamwelt, gegen die der Christ und Demokrat in seinem Bekennen zu personaler (Glaubens-)Freiheit und sozialer Gerechtigkeit immer angekämpft hatte. „Wortlos leiden wurde die neue Existenzform“, so zusammenfassend ein Zitat Reichmanns.



„Von ihm gibt es wenige Zeugnisse aus dieser Zeit“, resümierte Brakelmann. Deutlich wurde dennoch im Rahmen seines Vortrags die menschenverachtende NS-Politik, die ihre Feinde, auch Seelsorger, entrechtete und auch vernichtete. Letzteres gelang nicht, weil er durch den Einsatz des Bischofs von Chichester, George Bell, nach England emigrieren konnte, wohin ihm seine Familie folgte.



Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz: „Wir haben gar nicht gewusst, dass es so schlimm war. Trotzdem war es gut, zu erfahren, was damals mit den beiden Pfarrern passiert ist.“

10.12.2008
Von: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7