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„Eine staunende und partnerschaftliche Kommunikation mit der Natur sollten wir anstreben, anstatt uns als Menschen immer mehr Macht über sie aneignen zu wollen“, betonte Quantenphysiker und Philosoph Professor Hans Peter Dürr (Foto) gleich zum Auftakt seines Vortrags in der Evangelischen Stadtakademie.

Der Preisträger des Alternativen Nobelpreises 1987 und des Friedensnobelpreises 1995 setzte damit ein deutliches Zeichen für seine weiteren, fast zweistündigen Ausführungen. Dürr möchte das Umdenken der Menschen im Verhältnis zur Natur vorantreiben und fordert für die bisherigen Zielsetzungen der modernen Naturwissenschaften – vor allem der Physik - einen grundlegenden Denkwandel.

Auch an den Schilderungen seines persönlichen Werdegangs wurde dieses unbedingte Anliegen deutlich: „Fast 60 Jahre lang habe ich über die Materie gearbeitet, um zu verstehen, dass es sie eigentlich gar nicht gibt.“ Immer wieder wurden nämlich mit immer besseren Messmethoden neue kleinste Bauteilchen für das Element, das alles zusammen hält, entdeckt.

„Die moderne Physik ermöglicht den Brückenschlag zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und zu den Religionen“, so Dürr, unter der Voraussetzung, dass sie nicht mehr das Erforschen von bestimmten Gesetzmäßigkeiten der Natur durch das Isolieren einzelner Faktoren vorantreibe  - „das schafft nur eine konstruierte Wirklichkeit!“ -, sondern deren Beziehungen zueinander untersuche.

Den rund 100 Zuhörern machte er das an einigen Beispielen deutlich. Unter anderem an Vexierbildern, bei denen das Auge je nach Standpunkt nur eines von zwei möglichen Bildern erkennt. Die Wirklichkeit setze sich aber aus beiden Eigenschaften und deren Zusammenwirken zusammen, so der 79-jährige. Diese andere Physik beschrieb er als „a-materiell“. Sie solle beispielsweise die Struktur von komplexen Eiweißketten systemisch erforschen. So sei eine Annäherung an andere Disziplinen möglich.
 

Am Beispiel eines Gedichtes zeigte Dürr, dass man erst das Ganze erfassen sowie ein geistiges Vorwissen erarbeiten müsse, um den Sinn eines solchen Textes im Sinne eines Phänomens zu erfassen. Das Zufallsprinzip dürfe bei solchen Erklärungszusammenhängen nicht außer Acht gelassen werden, weil sich dadurch immer wieder überraschende Wendungen ergäben, eindrucksvoll veranschaulicht anhand eines immer komplexer werdenden Pendels.

 

„Die Zukunft liegt darin, solche vielfältigen Zusammenhänge zu erklären“, lautete Dürrs Fazit. Da komme man schon in den religiösen Bereich, so der Physiker schmunzelnd.

14.01.2009
Von: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7