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Prof. Dr. Claus Erich (r.) bei seinem leidenschaftlichen Vortrag. Zu den aufmerksamen Zuhörern gehörte auch Pfarrer Arno Lohmann, Leiter der Evangelischen Stadtakademie. Foto: Viviane Harkort

Stille, Beklommenheit, entsetzte Gesichter. So ruhig war es nach einem Vortrag in der Evangelischen Stadtakademie in Bochum selten.

„Ich bin so berührt, dass ich eigentlich weinen möchte“, sagte eine Besucherin. Grund dafür war der Vortrag von Prof. Dr. Claus Eurich mit dem Titel „Aufstand für das Leben – Die Kraft des Visionären im 21. Jahrhundert“.

In seinem Vortrag zeichnete der Dortmunder Ethik-Professor ein düsteres Bild der menschlichen Zukunft. Die „-ismen“, die überall auf der Welt herrschen, etwa der Egoismus, hätten den Planeten an seine Grenzen gebracht. Eurich fordert daher einen stillen Aufstand.

„Warum ein solches Wort?“, fragte er selbst, schließlich meint die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes normalerweise gewaltsame Auflehnung. „Aber das ist nicht gemeint! Stattdessen müssen wir aufstehen gegen die unglaubliche Missachtung des Lebens auf diesem Planeten.“

Als dramatisches Beispiel nannte er eine kürzlich von dem berühmten Astrophysiker Stephen Hawking korrigierte Prognose, nach der die Menschheit noch maximal 100 Jahre auf Erden hat. Eurich selbst hält das für eine „extrem optimistische“ Vorhersage. Andere Studien würden von 50 bis 70 Jahren sprechen und das schmelzende Eis in der Arktis, die Ausrottung von Insekten und Singvögeln, der Anstieg des Meeresspiegels und vieles mehr würden ebenfalls dafür sprechen. Auch eine atomare Gefahr hält Eurich für „fast unvermeidlich“. Er brachte die Konsequenz daher klar auf den Punkt: „Wenn wir eine ganz grundlegende Umkehr nicht hinbekommen, haben wir schlicht und einfach keine Chance.“

Auf die Frage, warum die Zukunft der Menschheit gerade so düster aussieht, könne auch er keine hinreichende Antwort geben. Ein Teil läge aber sicher in den egoistischen Lebensweisen der Menschen. Eurich bezog sich dabei auch oft auf die Politik. „Die Demokratie, so wie sie im Moment funktioniert, führt mitten in eine Sackgasse hinein.“

Ein schlichtes Beispiel: „Die UNO in ihrer völligen Unfähigkeit, auf irgendetwas spürbar zu reagieren.“ Jeder Staat verfolge nur seine eigenen Interessen.

Doch der Wissenschaftler kritisierte nicht nur, er hatte auch einen Gegenvorschlag parat: „Wir müssen die Institutionen austauschen und eine Art Erdrat gründen, in dem keiner ein Veto einlegen kann und man das, was dem Leben dient, durchsetzen kann.“

Eurichs Vortrag war gleichzeitig auch ein Streifzug durch die Philosophie-Geschichte. Mit Zitaten von Immanuel Kant über Albert Camus bis hin zu Albert Schweitzer versuchte er, den Zuhörern in der Evangelischen Stadtakademie deutlich zu machen, dass es einen stillen Aufstand braucht, um die derzeitige Lage drastisch zu verändern – und es ist dem Hochschulprofessor gelungen.

Das ratlose Schweigen und der minutenlange Applaus nach dem Ende seines Vortrags waren ein deutliches Zeichen dafür, wie betroffen und berührt die Besucher waren. „Ich muss das jetzt erst einmal sacken lassen. Und dann will ich es weitersagen und hinaustragen“, sagte eine Zuhörerin zum Abschluss und setzte damit womöglich den Grundstein für ihren eigenen „stillen Aufstand“.

08.06.2017
Von: Viviane Harkort

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7