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Priester Norbert Nikolai berichtete von der Gefängnisseelsorge in Peru. Foto: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

"Wenn ich mal wieder hier zu Hause bin, möchte ich gerne über die Menschen berichten, mit denen ich in der ,anderen‘ Welt lebe und arbeite", erklärte Priester Norbert Nikolai, bevor er aus Peru berichtete. Zu Gast war der gebürtige Bochumer beim "Peruprojekt" des Bezirks Johanneskirche, Kirchengemeinde Bochum, sowie beim Kreis "Junger Erwachsene 2" (KJE) der katholischen Gemeinde Seliger Nikolaus Groß. Ökumenisch organisierten deshalb Gabriela Wagner (KJE) und Christel Reuter (Peruprojekt) die Veranstaltung. Wagner freute sich bei der Begrüßung über diesen Schritt zu mehr Normalität in der Ökumene im Stadtteil Grumme.

Eintauchen in die „Andere Welt“ - so auch das abendliche Motto – von Nikolais zweistündigem Vortrag. Er berichtete zur Lebenssituation in Peru und vor allem im Gefängnis "San Juan de Lurigancho“ in Lima. Dort arbeitet der 53-Jährige als Seelsorger im - mit knapp 10000 Gefangenen - größten Männergefängnis des Landes. Sein Schwerpunkt: Begleiten bei der Resozialisierung und beim Drogenentzug, weil viele der Insassen durch ihre Drogenabhängigkeit ins Gefängnis wandern.

Der Kokainanbau, von dem gerade mal ein Prozent für medizinische Zwecke exportiert wird, die öffentliche und familiäre Gewalt, die Korruption und vor allem die große Armut in Peru bildeten den Rahmen für den weiteren Bericht. "Viele Jugendliche sind verwahrlost und schließen sich deshalb oft einer der 400 Jugendbanden in der Stadt an", betonte Nikolai unter anderem. Viele landeten darüber später bei ihm im Gefängnis, so der ehemalige Pfadfinder aus St. Elisabeth Gerthe weiter.

Zur Situation im Knast machte Nikolai deutlich: "Die verurteilten und nicht verurteilten Bewohner (etwa 40 Prozent Untersuchungshäftlinge) organisieren ihr Zusammenleben in den 21 überbelegten Baracken selbst. Wer kein Geld für einen Schlafplatz hat, übernachtet auf der Erde." Im Gefängnis wird deshalb ebenso gearbeitet und gehandelt wie draußen, um das Leben zu finanzieren. Die Familie - soweit vorhanden -  bringt zudem etwas an den Besuchstagen mit.

Die Gefängnispastorale betreut die Insassen, mit dem Ziel, die Leute aus der Welt der Gewalt und Drogen zu holen. Dazu gehören Gottesdienste ebenso wie Einzelgespräche. "90 Prozent meiner Arbeit ist zuzuhören", erklärte der Priester. "Ich habe Padre Norberto einen Tag lang begleitet, als ich 2013 in Peru war und erlebt, wie viel Achtung ihm entgegengebracht wird", ergänzte Reuter. Nach anfänglichen Ängsten habe sie sich auch beim Mittagessen mit jugendlichen Drogenabhängigen wohl gefühlt.

Stichwort Drogen. Die Pastorale hat 60 Plätze für den harten Drogenentzug, die trotz des Ausstiegs ohne Hilfsmittel sehr beliebt sind. "Die Hoffnung ist da groß, die Drogen oft stärker, denn nur ein Fünftel schafft es bei uns", betonte der Seelsorger. Soziale Unterstützung gibt es allein durch ehrenamtlich durchgeführte Kunst-, Tanz- und Theaterprojekte.

Am Ende bot Nikolai eine erstaunliche Erkenntnis: "Viele sehen ihre Haft überhaupt nicht negativ." Die durch die eigene Drogensucht ausgelösten inneren Zwänge für die einsitzenden Männer seien persönlich oft schwerer zu ertragen als der Freiheitsentzug.

26.07.2017
Von: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 18. November 2017:
Losungstext:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1
Lehrtext:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Titus 2,14