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BOCHUM / DONEZK – Sina Mitriwna strahlt. Ein Wollknäuel hält sie an ihre Wange: „Ist die weich! Welch’ gute Qualität!“ Mit zwölf anderen Frauen sitzt sie im Erzählcafé des Bochumer Hauses in Donezk. Jeden Freitag von halb zehn bis zwölf kommen die Frauen vormittags zusammen. Zu erzählen gibt es immer viel. Stricken, Sticken und Häkeln geht ihnen dabei leicht von der Hand. Im Herbst schien ihnen das Material für ihre Handarbeiten auszugehen.

In Bochum fand diese Nachricht offene Ohren. Die im Freundeskreis Bochum-Donezk aktiven Pfarrer i.R. Horst Grabski und Manfred Schmidt erzählten davon in Frauenhilfsgruppen und Seniorenkreisen einiger Gemeinden. Wolle, Garne und Stoffe waren von engagierten Frauen in großer Menge schnell gebracht. Im Koffer und in der Reisetasche nahm ein Besucher die erste Lieferung mit nach Donezk. Zwei große Pakete wurden noch gepackt und werden folgen. Mit Begeisterung über die Verbundenheit mit weit entfernten Frauen wurde die überraschende Hilfe in Donezk in Empfang genommen.

Stolz präsentierten die Donezker Frauen ihre mit den restlichen Materialien fertig gestellten Handarbeiten: Schultertücher, Bettschuhe in bunten Farben, Pantoffeln, warme Socken. „Werden sie diese Sachen auf dem Basar verkaufen?“, fragte ein Besucher. „Verkaufen? Nein, das sind Weihnachtsgeschenke. Den Pflegerinnen der Sozialstation im Bochumer Haus geben wir sie für ihre 30 bettlägerigen Patientinnen und Patienten mit. In den Wohnungen wird es bei uns im Winter nie richtig warm. Diese praktischen Geschenke sollen für Freude und etwas Wärme sorgen! Viele dieser kranken Menschen leben allein. Sie haben außer den Mitarbeiterinnen der Sozialstation keine anderen Menschen, die sich um sie kümmern.“

Die 12 bis 15 wöchentlichen Besucherinnen des Erzählcafés gehören zu der offiziellen ukrainischen Kategorie „Kinder des Krieges“. Die Patientinnen und Patienten der Sozialstation sind ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Sie sind auf Pflege und Unterstützung angewiesen. In ihrer Jugend wurden sie nach Deutschland verschleppt. Diese inzwischen alten Menschen haben wie die „Kinder des Krieges“ das Leid und die Schrecken des Krieges in jungen Jahren unmittelbar erfahren.

Auch die Bochumer Spenderinnen erlitten den Krieg und seine Folgen als Kinder und Jugendliche hautnah. Die Fäden der Wolle verbinden nun Menschen mit diesen schlimmen Erfahrungen hier und dort. Sie führen zu schwerkranken, bettlägerigen Menschen. So werden Verbundenheit, Zuwendung und Hoffnung in schwerer Zeit erfahrbar. Das Projekt wird unterstützt von der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

04.02.2009
Von: Manfred Schmidt. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 18. November 2017:
Losungstext:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1
Lehrtext:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Titus 2,14