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Die Wanderausstellung „Das Kreuz mit dem Kreuz“ hat sich mittlerweile bei Google im Ranking auf Platz zwei vorgeschoben. Bildhauer und Maler Ludger Hinse präsentierte in der Zeit vom 6. Februar bis 26. März an acht Bochumer Orten seine viel beachteten Kreuz-Installationen. Zu den über 70 Begleitveranstaltungen mit Konzerten, Vorträgen, Theater, Lesungen, Kreuzwegen, Jugend- und Kinderprogrammen gehörte auch ein Schülerwettbewerb im Bochumer Stadtgebiet, deren Gewinner in der Katholischen Familienbildungsstätte geehrt wurden.

 

Insgesamt sind über 130 Arbeiten eingereicht worden. Das fachkundige Kuratorium war beeindruckt von der Vielzahl, der Kreativität und tiefgründigen Auseinandersetzung mit dem Thema. Fünf Schulen erreichten einen mit 80 Euro für ein gemeinsames Frühstück und fünf VfL-Karten für die nächste Saison dotierten Ehrenpreis: die Katholische Hauptschule am Lenneplatz, die Anne-Frank-Realschule, die Franz-Dinnendahl-Schule, die Theodor-Körner-Schule und das Walter-Gropius-Berufskolleg.

 

Zwei Schulen ragten mit ihren Arbeiten besonders heraus: Das Gymnasium am Ostring, das mit fast der Hälfte aller eingegangenen Arbeiten die mit Abstand meisten Beiträge in einer hohen künstlerischen Bandbreite abgeliefert hat. Für diese Schule stiftete Künstler Hinse ein „Lichtkreuz“. Die zweite Hälfte des ersten Preises, ein Atelierbesuch beim Künstler, ging an die Hauptschule Wattenscheid-Mitte, aus der eine ganze Reihe bemerkenswerter Einzelarbeiten hervorgegangen sind. Sie fallen durch besondere handwerkliche Sorgfalt ins Auge und zeugen von einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Kreuz und seinen Facetten. Bei der Preisübergabe betonte Hinse, er freue sich besonders darüber, einer Hauptschule diesen Preis überreichen zu können, weil er selbst nur acht Volksschuljahre mitgemacht habe und deshalb den Preis als Ermutigung für das Gehen eigener Wege sehe.

 

Neben den Schulpreisen wurden auch einzelne Arbeiten ausgezeichnet, die mit Geldpreisen bis zu 500 Euro für den Sieger versehen waren. Die erste Hälfte des dritten Einzelpreises ging an Martina Krawczyk vom Ostring-Gymnasium. Ihr Exponat entstand aus folgender Überlegung: In der Antike war Schreibmaterial wie Pergament etwas sehr Kostbares. Deshalb wurden beschriebene Manuskriptseiten häufig wiederverwendet. Dabei wurde das Geschriebene abgekratzt und abgewaschen. Heute kann man bei einem sog. Palimpsest die ursprünglichen Schichten und Texte wieder sichtbar machen. Man sieht mehr Texte als man glaubt. Krawczyks Idee, eine ausgediente Landkarte als Projektionsfläche für die Kreuze zu nehmen, ist pfiffig. Die Karte, die im Laufe ihres schulischen Lebens schon viele Blicke auf sich gezogen hat, lädt zum Entdecken der Kreuze im Bild und in der Welt ein. Man sieht eben mehr Kreuze als man glaubt.

 

Die zweite Hälfte des dritten Preises würdigte insbesondere den Kontext und die Entstehungsgeschichte des Werkes, das eine Gruppe des 9. Jahrgangs der Hauptschule Wattenscheid-Mitte schuf. Was auf dem ersten Blick wie das Gesellenstück eines Fliesenlegers daherkommt, hat es in sich. Die verwendeten Glasbausteine wurden aus einer abgerissenen Kirche in Essen gerettet und zu einem Kreuz neu konfiguriert. Schon einmal wurde die Gnadenkirche im 2. Weltkrieg zerstört. Aus den Trümmern der Ruine wurde sie wieder aufgebaut. Nun ist sie den zurückgehenden Kirchensteuern und Mitgliederzahlen zum Opfer gefallen. Der Gedanke, dass aus dem Alten etwas Neues hervorgeht, ist allerdings auch ein zutiefst christlicher: „Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2. Kor. 5,17).“

 

An die Gruppe des 9. Jahrgangs der Hauptschule Wattenscheid-Mitte ging auch der zweite Einzelpreis. Die ausgezeichnete Arbeit ist schlicht und spektakulär zugleich. Kein Wunder, dass es für dieses Kreuz schon einige Aspiranten für die postmuseale Phase gibt: Ein großer, schwarzer Rahmen in der Form eines lateinischen Kreuzes nimmt unzählige, akribisch gefaltete Zeitungen bzw. Zeitungsmeldungen in sich auf. Dieses Passionskreuz ist vermutlich gespickt mit Kreuz- und Leidgeschichten. In der Mitte des Kreuzes sind sieben rote Bündel. In der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters steht die Zahl sieben für Gnade bzw. Ruhe und Frieden, denn sie ergibt sich aus der zahl Drei für Dreifaltigkeit und der Vier für Welt bzw. Elemente und Himmelsrichtungen.

 

Bei der Preisvergabe für den ersten Platz waren sich die Kuratoren rasch einig darüber, was den künstlerischen und ästhetischen Wert dieser Arbeit anbelangt. Sie kommt sehr minimalistisch daher und bedient sich der Technik der Serialisierung über einen dreidimensionalen Würfel: Ein Gott, der in unterschiedlichen Entfaltungen und Kreuzformen des Würfels auch die Gottesnamen der drei monotheistischen Weltreligionen „Allah“, „Gott“ und „Jahwe“ zum Vorschein bringt, die sich alle auf Abraham berufen. In der Zweidimensionalität die Namen, in der Dreidimensionalität der Eine Gott. Ein würdiger Sieger: Thomas Dreps vom Ostring-Gymnasium.

 

Der Schülerwettbewerb hat das Anliegen des Künstlers Ludger Hinse erfolgreich in die Schulen und in das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler transportiert. Bei vielen beteiligten Schülerinnen und Schülern ist „das Kreuz“ im Ranking der persönlichen Lebensthemen sicherlich nach oben geklettert. Vielleicht würden sie es mit Lugiano Benetton so sagen: Das Kreuz ist das beste Logo, das je erfunden wurde.

20.06.2008
Von: Volker Böcker. Foto: Claudia Taube

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7