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Vor einem Jahr, am 16. Dezember 2007, wurde in Bochum die neue Synagoge eingeweiht. Besonders der 2003 gegründete Freundeskreis Bochumer Synagoge hatte sich für den Neubau stark gemacht, Spenden gesammelt, Benefizveranstaltungen organisiert und den Architektenwettbewerb der Jüdischen Gemeinde unterstützt. In Anerkennung dieses Engagements zeichnete die Jüdische Gemeinde Gerd Liedtke, den Vorsitzenden des Freundeskreises Bochumer Synagoge, im Oktober mit der Dr.-Ruer-Medaille aus.

 

„Für mich ist die Synagoge eines der schönsten Bauwerke, die ich je erlebt habe!“ Begeisterung und auch eine Portion Stolz schwingen mit, wenn Liedtke von „seiner“ neuen Synagoge schwärmt. Vor einem Jahr zogen die Thora-Rollen mit festlichem Geleit in den hellen Kalksteinquader neben dem Bochumer Planetarium ein. 69 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge hatte die Jüdische Gemeinde wieder ein eigenes Gotteshaus.



Mehr als 7000 Besucher haben seitdem das neue Gebäude besichtigt, rund 200 Führungen wurden schon organisiert, weitere Termine sind bis Mitte nächsten Jahres ausgebucht. Mehrmals in der Woche lassen sich Besuchergruppen durch das jüdische Gemeindezentrum führen. Schulklassen, Familien, Vereine – Menschen aller Schichten und Generationen bewundern die moderne Architektur und fragen nach Religion und Brauchtum ihrer jüdischen Nachbarn.

 

„Mit lebhaftem Interesse haben wir ja gerechnet, aber dieser Ansturm ist fast mehr, als wir organisatorisch bewältigen können.“ Trotzdem freut sich Liedtke über so viel Zustimmung nicht nur für das Gebäude, sondern für die Jüdische Gemeinde insgesamt.

Eine Brücke zur Geschichte des Volkes Israel

Anschaulich und begeistert schildert er die architektonischen Besonderheiten der Synagoge. „Jedes Mal wenn ich durch das Portal komme, fällt mein Blick auf die Kuppel, die wie ein Baldachin innen unter der Decke des Gebetssaales eingezogen wurde. Das Rund der Kuppel spiegelt sich im Rund der Raumgestaltung wider. Und abends, mit den blauen Lichteffekten, wirkt es, als säße man direkt unter dem Himmelszelt.“



Auch die bodentiefen Fenster haben es Liedtke angetan. Damit wirke der Gebetssaal hell und offen. „Über die Fenster habe ich den Bezug zur Außenwelt, ich kann alles sehen, was sich draußen ereignet, trotzdem bin ich in einem geschlossenen Raum und kann mich auf den Gottesdienst drinnen konzentrieren.“ Auf den Scheiben stehen die Namen aller 12 Stämme Israels; ebenso wie in den Schmuckelementen der Außenfassade, die das Motiv des Davidsterns aufgreifen, schlage die Architektur hier eine Brücke zur Geschichte des Volkes Israel.



Auf die Frage, wie es zu seinem Engagement für die Synagoge kam, holt der Vorsitzende des Freundeskreises weit aus. Seit 1985 ist er im Vorstand der Evangelischen Stadtakademie Bochum aktiv, die gemeinsam mit dem Katholischen Forum und der Jüdischen Gemeinde jedes Jahr die Veranstaltungen zur „Woche der Brüderlichkeit“ plant und organisiert. Der christlich-jüdische Dialog ist dem einstigen Vorstandsmitglied der Bogestra daher schon lange eine Herzensangelegenheit.



Den unmittelbaren Anstoß zur Gründung des Freundeskreises Bochumer Synagoge, so berichtet Liedtke, habe aber im Juni 2003 der Besuch von Paul Spiegel, damals Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, in Bochum gegeben. Aus diesem Anlass  wurde die „Bochumer Erklärung“ veröffentlicht, die an die Geschichte der Juden in Bochum und Wattenscheid und an die Zerstörung der Synagogen durch die Nazis erinnerte. Die Unterzeichner, Repräsentanten von Stadt, Kirchen, Universität, Wirtschaft und Gewerkschaft, forderten alle Bürgerinnen und Bürger auf, den Neubau einer Synagoge aktiv zu unterstützen.



Jüdisches Leben – jetzt fängt es richtig an

Dass dies keineswegs nur als politisch korrektes Lippenbekenntnis gedacht war, sollte Liedtke bald erfahren. Der damalige Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber machte ihm den Vorschlag, den Freundeskreis zu gründen, und forderte ihn auch gleich auf, selbst den Vorsitz zu übernehmen. „Das war das erste Mal, dass ich ein Amt, das mir angetragen wurde, ohne Bedenkzeit angenommen habe“, erinnert er sich.



Inzwischen besteht der Freundeskreis Bochumer Synagoge gut fünf Jahre und hat mehr als 500 Mitglieder. Seine Ziele: Jüdisches Leben in Bochum fördern, an bedeutende jüdische Persönlichkeiten aus der Region erinnern und die Jüdische Gemeinde bei Errichtung und Betrieb der neuen Synagoge unterstützen.

 

„Ich bin froh, dass die meisten Mitglieder auch nach der Fertigstellung des Neubaus dem Freundeskreis die Treue gehalten haben“, berichtet der Vorsitzende. „Jüdisches Leben – das fängt ja jetzt erst richtig an. Außerdem muss die Jüdische Gemeinde noch einen Kredit von einer Million Euro abzahlen. Da können wir doch jetzt nicht die Hände in den Schoß legen!“

Gut sieben Millionen hat das neue Gemeindezentrum insgesamt gekostet, eine Summe, die Stadt, Land und Jüdische Gemeinde zu je einem Drittel übernommen haben. Da ist die Unterstützung durch den Freundeskreis nicht nur willkommen, sondern unverzichtbar.

Und wie wird jüdisches Leben in Bochum in zehn Jahren aussehen? Liedtke hat eine Zukunftsvision, in der sich Optimismus und Realismus die Waage halten: Die junge Generation, Kinder und Enkel der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, werden Funktionen in der Gemeinde übernehmen. Die heute noch bestehenden Sprachprobleme werden sich stark verringern, die gegenseitige Verständigung werde sich verbessern. Davon werde auch die Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Einrichtungen mit der Jüdischen Gemeinde profitieren. „Der interreligiöse Verbund wird noch intensiver, und die Jüdische Gemeinde wird ihren eigenen Platz als Institution im gesellschaftlichen und religiösen Leben der Stadt haben.“

 

Foto: Grundsteinlegung für die neue Synagoge am 14.11.2005 durch (v.l.) Grigory Rabinovich, Vors. der jüdischen Gemeinde, Dr. Henry Brandt, ehemaliger Landesrabbiner, OB Dr. Ottilie Scholz und Dr. Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Gerd Liedtke direkt dahinter (2.v.r.)

10.12.2008
Von: Lydia Sichelschmidt. Foto: UK

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 18. November 2017:
Losungstext:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1
Lehrtext:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Titus 2,14