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Superintendent Gerald Hagmann (oben.) und der frühere Bundestags- präsident Norbert Lammert während der Diskussion in Höntrop

Fotos: F. Haardt-Radzik

500 Jahre sind seit Luthers Kirchenreformation vergangen und sechs Jahre ist es her, dass sich der Katholik Norbert Lammert und der Protestant Gerald Hagmann in Kornharpen zusammen fanden und die Initiative „Ökumene jetzt“ ins Leben riefen.

„Was haben wir aus dem, was damals geschah, gemacht?“ Mit dieser Frage zu den Folgen der Reformation Martin Luthers und der danach entstandenen Kirchenspaltung begann der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert seinen Vortrag über die heutige Lage der Kirchen.

Eingeladen zu dieser Diskussionsveranstaltung zum Stand der Ökumene hatte die katholische Kirchengemeinde in Wattenscheid-Höntrop im Rahmen ihrer Reihe „Manege frei – Kirche auf dem Drahtseil“.

Zunächst blickte Lammert auf das gerade vergangene Reformationsjubiläum zurück und stellte fest: „Das war von allen Reformationsjubiläumsfeiern der letzten Jahre und Jahrzehnte die mit Abstand freundlichste Veranstaltung!“ Die anderen davor seien, so der engagierte Katholik, eine Art „kirchlicher Truppenaufmarsch mit deutlicher Demonstration des kirchlichen Waffenarsenals“ gewesen. Dagegen seien diesmal die beiden Kirchen mit offenen Armen aufeinander zugegangen.

Damit endet an diesem Abend allerdings der positive Rückblick - und es begann eine, von Lammert auch in der Vergangenheit nicht gescheute, harsche Kritik am System der Institution Kirche. „Wir glauben an dasselbe, doch das Kirchenverständnis trennt die beiden Kirchen voneinander. Die Institution der Kirche scheint wichtiger als die Gemeinschaft der Gläubigen!“

Für diese offenen Worte erntet Lammert insbesondere von katholischen Gläubigen immer wieder Beifall. Der Wunsch, nun endlich im ökumenischen Sinne als evangelische und katholische Christen zusammen zu kommen, ist an diesem Abend im bis auf den allerletzten Platz besetzten Gemeindezentrum deutlich zu spüren.

„Versöhnte Verschiedenheit“ – dieser Begriff wird häufig bemüht, um die aktuelle Situation der beiden Konfessionen zu beschreiben. Für den ehemaligen Bundestagspräsidenten aber sollte dieses Wort lediglich den Weg beschreiben, um endlich die Trennung zu überwinden. Und schließlich: „Wenn wir heute mit breitem Konsens feststellen können, dass die Gründe, die damals zur Kirchenspaltung führten, weggefallen sind, kann mir dann bitte jemand erklären, warum wir die Spaltung immer noch aufrecht erhalten?“

„Als Christen im Land der Reformation stehen wir in der besonderen Verantwortung, Zeichen zu setzen und dazu beizutragen, den gemeinsamen Glauben auch in einer gemeinsamen Kirche zu leben.“ So heißt es in dem Aufruf „Ökumene jetzt“, den engagierte Christen aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft unterstützen.

Mitbegründer dieser bundesweiten Initiative ist neben Lammert Bochums Superintendent Gerald Hagmann. Aus seinen Worten war an diesem Abend im katholischen Begegnungszentrum die Ungeduld, nun endlich auf allen Ebenen die Spaltung zu überwinden und ökumenisch Kirche zu sein, deutlich herauszuhören: „Es scheitert nicht nur auf der Leitungsebene, sehr viele bremsen durchaus auch auf der Gemeindeebene“, stellte Hagmann ernüchternd fest. Laute Lippenbekenntnisse seien oft stärker als sich dann auch auf den Weg zu machen.

Und weiter: „Wir haben 2012 auch mit einer großen medialen Aufmerksamkeit die Initiative ‚Ökumene jetzt‘ gestartet und dachten, bald eine Million Unterstützer zusammen zu haben – und zählen bis jetzt lediglich 10.000!“

Welche Bemühungen gibt es ganz konkret in den Gemeinden vor Ort, die Spaltung zu überwinden? Was ist aus der Initiative geworden? Rechtfertigen die Unterschiede zwischen den beiden Konfessionen weiterhin die Aufrechterhaltung der Kirchentrennung?

Aus den zahlreichen Wortmeldungen in der anschließenden Diskussion war eines klar herauszuhören: Es gibt durchaus schon ganz konkrete ökumenische Aktionen, etwa in den Vorbereitungen zur Nacht der offenen Kirchen und beim Weltgebetstag der Frauen.

„Ich wünsche mir nicht nur, dass mal solche ökumenischen Aktionen stattfinden, sondern, dass das ganz normale Kirchenleben ökumenisch miteinander stattfindet.“ Mit diesen Worten machte Superintendent Hagmann seine Wünsche für die nahe Zukunft des kirchlichen Lebens in Bochum und darüber hinaus deutlich.

04.02.2018
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 22. Februar 2018:
Losungstext:
Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?
4.Mose 23,19
Lehrtext:
Jesus sprach zu Petrus: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Matthäus 14,31