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Volles Programm: Silke Neufeld an der Organisationstafel im Stadtteilladen in Grumme. Foto: Herrmann-Kümper

Seit 20 Jahren arbeitet Silke Neufeld im Stadtteilladen in Grumme, Grund genug für ein Gespräch mit der Sozialarbeiterin, das Elisabeth Posner führte.

??: Sie arbeiten schon seit 20 Jahren hier im Stadtteilladen – eigentlich müsste ich treffender sagen ‚im Stadtteil‘.

Silke Neufeld: Ja, solch lange Zeit an einem Arbeitsplatz ist bei uns Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen nicht unbedingt üblich. Als ich vor 20 Jahren hier begann, galt es zunächst, Kontakte zu knüpfen, die Menschen und die Strukturen kennenzulernen, Aufbauarbeit zu leisten.

??: Und dann?

S.N.: Nach etwa drei Jahren fühlte ich mich hier in Grumme angekommen und nach zwei weiteren Jahren stellte ich erfreut fest, dass der Stadtteilladen im Stadtteil fest integriert war. Die Menschen wussten, was sie hier bekommen können.

??: Wie kamen Sie überhaupt dazu, sich auf solch eine wenig vorstrukturierte offene Arbeitsstelle zu bewerben?

S.N.: Schon als Studentin der Bochumer Fachhochschule arbeitete ich zwei Jahre lang im Stadtteilladen mit und absolvierte hier auch ein Praktikum. So war mir diese Arbeit schon etwas vertraut. Zum Entschluss, diese Arbeit dann aufnehmen zu wollen, trug mein Anerkennungsjahr in einer ähnlichen Einrichtung in Essen-Katernberg in einem sozialen Brennpunkt bei.

??: Was genau sprach Sie so an?

S.N.: Die Arbeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen: individuelle Beratung und Unterstützung, Aufbau weiterer Hilfsangebote für kleinere Gruppen, Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen und Institutionen bis hin zu Politik und Verwaltung. So ist mir die Stadtteilkonferenz, die auf Grund meiner Initiative 1998 ins Leben gerufen wurde, sehr wichtig.

??: Ja, wenn ich mir den Flyer mit den vielfältigen Angeboten des Stadtteilladens ansehe, spiegelt sich darin vieles wider.

S.N.: Wenn Bedarf sichtbar wurde, galt es für mich anzupacken! Viele Initiativen gingen von einzelnen aus, die sich mit ihren Fähigkeiten hier engagieren wollten. Da fallen mir beispielsweise die Näh- und Computerkurse oder auch die Sprachkurse ein. Anderes entstand aus beklagten Defiziten, die an mich herangetragen wurden., z.B. sprach mich zunächst nur ein Jugendlicher an, weil es für ihn und seine Altersgenossen keinen Ort gab, an dem sie sich mit Gleichgesinnten treffen konnten. Schon bald äußerten sich ein paar andere ähnlich. Der Anstoß, in dieser Richtung weiter zu suchen, war gegeben – was daraus geworden ist, sehen Sie im Jugendtreff „Sit Down“ im ehemaligen Pfarrhaus neben der Kirche.

??: Darin drückt sich auch räumlich Ihre Verbundenheit mit der evangelischen Kirchengemeinde aus, deren Angestellte Sie ja sind. Erlebbar ist das für mich immer wieder in den Straßenfesten mit der „Festmeile“ zwischen Stadtteilladen und Kirche, hier wie dort mit geöffneten Türen.

S.N.: Vernetzung ist für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Ganz unverzichtbar ist das Team der Hauptamtlichen und das der Ehrenamtlichen, mein Augenmerk darauf zu richten, dass die Arbeit deren Fähigkeiten entspricht, dass sie Freude macht und – nicht zuletzt – dass sie diejenigen, die sich hier engagieren, nicht überfordert oder ausnutzt.

??: Also nicht „kleiner Finger gleich ganze Hand?“ (Frau Neufeld lacht. Ihre Sorgfalt und Aufmerksamkeit ist auch jetzt für mich deutlich spürbar. Und erfahrbar: Das klingelnde Telefon muss auf später warten; dafür gibt es ja den Anrufbeantworter.)

S.N.: Mich ruhig und konzentriert einzelnen Menschen und Aufgaben zu widmen, gehört für mich einfach dazu. Jeder Mensch ist willkommen, ich möchte Ängste ernst nehmen, dazu beitragen Verständnis füreinander zu entwickeln, Begegnung ermöglichen, die von Respekt und Toleranz geprägt ist.

??: Über so viele Jahre mit unermüdlichem Engagement und mit Offenheit – was motiviert und beflügelt Sie?

S.N.: Es sind die Menschen, denen ich hier begegne, mit ihren Visionen, ihrer Begeisterungsfähigkeit, ein bisschen wie eine große Familie zu sein. Und meine Aufgabe, mit den Menschen hier diesen Stadtteil zu gestalten, in relativ großer kreativer Freiheit. Dieser Ort ist für mich mehr als ein Arbeitsplatz.

??: Ich danke Ihnen für das beeindruckende Gespräch und verabschiede mich von Ihnen mit großer Anerkennung und guten Wünschen.

03.02.2018
Von: Elisabeth Posner

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 26. Mai 2018:
Losungstext:
HERR, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!
Psalm 141,3
Lehrtext:
Gebt acht: dass die Freiheit nicht zu einem Vorwand für die Selbstsucht werde, sondern dient einander in der Liebe!
Galater 5,13