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Gast im Bochumer Erzählcafè: Haeng-ja Fischer. Foto: privat

Das Bochumer Erzählcafé reiste bei seinem letzten Treffen gedanklich nach Bochum-Linden der 1960er Jahre. Als Zeitzeugin war diesmal Haeng-ja Fischer im Kirchencafé an der Pauluskirche zu Gast.

„Ich habe damals im Radio gehört, dass Krankenschwestern für Deutschland gesucht wurden und mich sofort gemeldet.“ erzählt Haeng-Ja Fischer, die aus Jeonju, 230 km südlich von Seoul, stammt. Das war 1969. Deutschland erlebte das Wirtschaftswunder, Südkorea war Entwicklungsland. Im Zuge des Anwerbeabkommens kamen zwischen 1963 und 1977 etwa 8.000 Bergleute und 10.500 examinierte Krankenschwestern und Krankenpflegehelferinnen nach Deutschland, viele davon ins Ruhrgebiet.

Haeng-Ja ist damals 26 Jahre alt, hat zwei kleine Kinder und sieht keinerlei Zukunft für sich in ihrer Heimat. Auf den Aufruf melden sich 600 Frauen, 120 werden genommen, Haeng-Ja ist eine von ihnen. Der Arbeitsvertrag gilt für drei Jahre.

„Im Flugzeug trugen wir alle dann schon unsere Namensschilder. Auf meinem Schild stand „Schwester Haeng-Ja - St. Josef-Hospital“. Ohne Deutschkenntnisse wird Haeng-Ja zum Putzen eingeteilt, was sie jedoch nicht stört. „In der rechten Hand hatte ich den Putzlappen und in der linken meine Vokabelliste. Jeden Tag habe ich dreißig neue Wörter gelernt.“

Nach drei Monaten dann der Deutschkurs, einmal die Woche eineinhalb Stunden nach Feierabend. „Meine erster Satz im Krankenhaus war: ,Haben Sie gut geschlafen?‘ Ich bin morgens vor allen anderen zum Dienst gekommen, habe alle Türen aufgemacht und die Patienten gefragt ,Haben Sie gut geschlafen?‘. Immer wieder. Und irgendwann verstand ich auch eine Antwort.“

Doch nicht die Sprache ist die größte Hürde am Anfang, sondern das deutsche Essen. Die koreanischen Schwestern vertragen es nicht. Nach einem Monat fassen sie sich ein Herz und erreichen, dass sie nicht mehr in der Kantine essen müssen, sondern für sich kochen dürfen.

„Was ist Ihnen am Anfang besonders positiv aufgefallen, als Sie in Deutschland ankamen?“ wird Haeng-Ja Fischer im Erzählcafé gefragt. „Die Straßen und die Autos, der VW-Käfer. Und dass Frauen Auto gefahren sind. Das wäre in Korea undenkbar gewesen. Ich habe mir damals schon gesagt, ich werde auch Auto fahren und ich werde einen VW-Käfer haben.“ Als Haeng-ja den Führerschein schließlich macht, steht darüber ein Bericht in der Zeitung.

1972 holt sie ihre Kinder nach Bochum, versucht eine Wohnung zu finden, kauft schließlich ein Zechenhaus und zieht Sohn und Tochter neben dem Vollzeitjob im Krankenhaus allein groß. Ihren Ehemann lernt sie erst viel später kennen, als ihre Kinder schon erwachsen sind. Schwester Haeng-Ja wird Oberschwester im St. Josef-Hospital und ist bis heute in Linden tief verwurzelt. Und im Bochumer Erzählcafé berichtet sie mit großer Leidenschaft, dass zurzeit ein junger Mann mit in ihrem Haus lebt, der aus seiner Heimat Eritrea geflüchtet ist. „Wir üben fleißig deutsch. Und ein Praktikum hat er auch schon gemacht, in einem Krankenhaus.“

Das Bochumer Erzählcafé ist eine Veranstaltungsreihe der Offenen Altenarbeit der Inneren Mission-Diakonisches Werk Bochum e.V. in Kooperation mit der evangelischen Innenstadtgemeinde.

Das nächste Erzählcafé findet am 2. September statt. Karten gibt es drei Wochen vorher im Kirchencafé der Gemeinde und bei Moderatorin Doris Brandt, Tel.: 0234-6104791.

21.06.2017
Von: KK

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7