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Viele kreative Gedanken zur Zukunft des Kirchenbaus hatten (v.l.): Ingrid Hardes (K.I.C.K.), Pfarrer Thomas Wessel (Kirche der Kulturen), Dr. Stefan Krämer (Wüstenrot Stiftung) und Pfarrer Holger Nollmann (Q1). Foto: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

"Die Menschen, nicht die Häuser, machen die Stadt aus", gab Dr. Nils Leber den 100 Besuchern des Gesprächsabends zum Thema „Kirchengebäude und ihre Zukunft“ bei seiner Begrüßung zwar mit auf den Weg. Dass der Stadtverwaltung entwidmete Kirchen nicht egal sind, machte der Mitarbeiter des Bochumer Stadtplanungs- und Bauordnungsamt im "Q1 – Eins im Quartier. Haus für Kultur, Religion und Soziales“ gleichwohl deutlich: "Wir bilden hier eine strategische Verwertungsgemeinschaft."
 
Wie diese Verwertung und Umnutzung von Kirchen aussehen könnte, umkreiste die gut zweistündige Veranstaltung, deren Problematik vielen Leuten durch die Schließung von Gemeindehäusern und Kirchen in der Vergangenheit schmerzlich bekannt ist. Dazu zählten drei Blickwinkel: Einführungsvortrag, Praxisbeispiele für Umnutzungen aus der Stadt sowie eine Diskussionsrunde der Besucher mit den Referenten.

Die am Abend eröffnete Ausstellung der Wüstenrot Stiftung im Hause ergänzte das Spektrum: Sie zeigt, welche alternativen Nutzungen es für Kirchen gibt, die zugleich Zukunftsperspektiven erschließen.

Beim Vortrag bot Dr. Stefan Krämer, stellvertretender Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, eine Bestandsaufnahme von Kirche gestern und heute. Dazu zählte auch eine emotionale Besonderheit von Kirchen. "Jeder, egal ob Christ oder nicht, unterliegt beim Betreten ihrer spezifischen Ausstrahlung als religiöser und spiritueller Raum außerhalb des Alltags", betonte er.

Kirchen seien jedoch auch Orte, an denen der Wandel einer Gesellschaft erkennbar ist. "Das stellt nicht allein die christlichen Kirchen in Deutschland beim Unterhalt der Gebäude und bei der Frage nach ihrer zukünftigen Nutzung vor gewaltige Herausforderungen", so seine Schlussfolgerung. Auch der Denkmalschutz, die Ökonomie, der Städtebau sowie die kulturelle Identität jedes Einzelnen seien da gefragt. Krämers Fazit: "Die Zukunft der Kirchengebäude ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die wir nur mit Konzepten und Strategien bewältigen können, die in vielen Bereichen unserer Gesellschaft verankert sind."

Für den Umgang mit diesen Veränderungen sah der Soziologe, der damit auf die aktuelle Ausstellung einging, derzeit drei Strategien. Das sind die Sanierung mit dem Ziel, Unterhaltskosten zu reduzieren, eine veränderte Nutzung des Gebäudes, häufig verbunden mit der Übernahme von Aufgaben eines Gemeindezentrums (Gruppenräume) sowie deren völlige Neunutzung. Letzteres ist zumeist das Ende als sakraler Raum. Krämer: "Die vorgestellten Umbaukonzepte sind nicht eins zu eins übertragbar. Sie sind Lösungen aus einer bestimmten Problemsituation heraus."

Blickwechsel. Pfarrer Thomas Wessel berichtete, wie die Christuskirche Bochum ab 2001 zur Evangelischen Stadtkirche und zur "Kirche der Kulturen" wurde. Ins Zentrum seiner Ausführungen setzte er die evangelische Bürgerkirche als öffentlicher Raum für Kultur in der Stadt. "Es gibt dort bewusst keine Staatskultur", erklärte er zu den Veranstaltungen, die gerne genutzt würden, und dem "Platz des Europäischen Versprechens" vor der Kirche.

Ingrid Hardes stellte die katholische Christ-König-Kirche als „K.I.C.K. - Kunst in Christ König“ vor. "Seit Sommer 2010 bietet unserer Kreis den Kirchenraum Künstlern zu Jahresthemen an", berichtete sie. Das klappe inzwischen gut. Die Finanzierung der Arbeit sei allerdings ein Problem. "Wir planen immer nur von Jahr zu Jahr", sagte Hardes zum seit 2008 vom Bistum Essen als "Sonstige Kirche" ausgemusterten Bau.

Pfarrer Holger Nollmann vom Stadtteilzentrum "Q1" berichtete von einem sich zufällig öffnenden "Zeitfenster", dass der Kirchengemeinde Bochum den Erhalt der Friedenskirche ermöglicht habe. "Durch den Schwerpunkt des Stadtumbaus auf die soziale Entwicklung des Stadtteils konnte die Kirche zukunftsfähig als Stadtteilzentrum ausgebaut werden", erklärte der Pfarrer. Die dafür mit dem interkulturellen Verein IFAK eingegangene Kooperation sei da ebenso zufällig wie im Nachhinein wegweisend gewesen.

Die abschließende Podiumsdiskussion nutzte Krämer zur Forderung, kreativ zum Erhalt des Kulturguts Kirchenbau beizutragen. "Man kann viele Koalitionen vor Ort schließen", betonte er. "Wir entdecken Kirche hier neu", erklärte wiederum Nollmann: "Im Grunde sind wir heute eine Vereinskirche für das gebliebene Klientel. Wir sollten besser die Volkskirche neu auflegen."

27.10.2017
Von: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7