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Wer es wissen wollte, erfuhr es bei der gut besuchten Benefizveranstaltung zugunsten der Turmsanierung der St. Vinzentius-Kirche in Harpen. Theo Scheiermann und Christel Eglinski-Horst teilten sich bei der „Lesung mit Musik zum 101. Geburtstag von Mascha Kaléko“ die Aufgaben der Informationen und Rezitation.

Mascha Kaléko ist für viele eine unbekannte Frau und Dichterin. 1907 als Kind eines russischen Va-ters und einer österreichischen Mutter in Galizien geboren, kam sie als Siebenjährige nach Deutsch-land, lebte zuerst in Marburg, Frankfurt und Berlin. Als 15-jährige schrieb sie erste Gedichte, mit 23 veröffentlichte die „Berliner Zeitung“ regelmäßig etwas von ihr.

Zuerst sind es Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Alltag, die jeder nachvollziehen kann, später sind es Themen der Politik und „ihres Deutschlands“, die in kurzen Gedichten zu Mei-nungen, Antworten, Beurteilungen und auch Verurteilungen werden. Die Sammlung von 1933 „Lyri-sches Stenogramm“ veröffentlicht fast alles, was Mascha Kaléko schreibt.

Als Jüdin flieht sie 1939 mit ihrem 2. Mann, dem Musiker Chemjo Vinaver, in die USA. Dort be-schreibt sie den Verzicht auf deutsche Sprache und deutsche Worte: „Ich bin sehr happy, aber glück-lich bin ich nicht!“ 1955 reist sie zu einem Besuch nach Deutschland, nach Berlin. „Einmal möchte ich es noch sehen, jenes Land, das in fremde Welten mich verbannt.“ Aber sie ist enttäuscht, vor allem davon, dass man in Deutschland die schlimme Vergangenheit nicht bewältigt. Verbittert und ironisch-satirisch schreibt sie: „Jeder Sturmbannführer ein Pazifist, so lautet das liebe Märchen, und wieder leben Jud und Christ wie Turteltaubenpärchen.“   
 
1959 begleitet sie ihren Mann nach Jerusalem, der dort jüdische Gesänge der Synagogen sammelt und veröffentlicht. Sie hat fast keine Zeit zum eigenen Schreiben, weil sie ihrem Mann bei den alltäglichen Dingen hilft. Sie versucht es leicht zu nehmen und schreibt ein ironisches Gedicht über die „Leistung der Frau in der Kultur“. 1973 stirbt unerwartet erst ihr einziger begabter Sohn, dann der Mann. Sie ist allein und wird einsam. Schließlich erkrankt auch sie und stirbt 1975 an Darmkrebs in Zürich.

In einer gespannten Atmosphäre innerhalb der 1000-jährigen Mauern der St. Vinzentius-Kirche zeich-neten und beleuchteten die beiden Rezitatoren 90 Minuten das unruhige Leben und das lyrische Werk von Mascha Kaléko. Stimmungsvoll musikalisch unterstützt wurden sie durch solistische Klarinetten-klänge. Von der rückseitigen Empore spielte Thomas Budack, Mitglied der Bochumer Symphoniker, zwischen Texten und Informationen kurze elegische Bagatellen von Gerald Finzi und träumerische Phantasien von Thomas Dunhill. Lyrisch-sphärische Klänge begleiteten schließlich den letzten Bei-trag: „Mein schönstes Gedicht? Ich schrieb es nicht. Aus tiefsten Tiefen stieg es auf. Ich schwieg es.“

21.11.2008
Von: Karl-Heinz Saretzki. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 18. November 2017:
Losungstext:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1
Lehrtext:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Titus 2,14