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„Was wird aus unseren Kirchen, wenn sie überwiegend leer stehen? Wer finanziert die vielen historischen Gebäude in unserer Stadt, wenn die Anzahl der Gemeindeglieder weiter drastisch abnimmt?“, fragten in der Buchhandlung Napp Bochums Stadtbaurat Dr. Ernst Kratsch und Dr. Manfred Keller, Mitherausgeber des Buches „Erweitere Nutzung von Kirchen – Modell mit Zukunft“ anlässlich der Buchvorstellung. Kein Platz war mehr frei, viele Interessierte drängten sich, um mit den beiden Experten zu diskutieren.

 

Mehrere tausend Kirchen müssen in den nächsten Jahren in Deutschland aufgegeben werden. In Bochum sind es laut Kratsch 19 überwiegend katholische Gotteshäuser, die von einer Schließung, Umwidmung oder gar einem Abriss betroffen sind. Die sehr emotionale Diskussion um das Schicksal der Marienkirche steht stellvertretend für die vielen anderen.



„Die Zahl der evangelischen Christen wird sich in den nächsten Jahrzehnten halbieren, das Kirchensteuereinkommen bis zum Jahre 2030 auf die Hälfte zurückgehen. In den Gemeinden muss schleunigst ein Umdenken stattfinden“, mahnte Bochums Stadtbaurat zu baldigem Handeln. „Dabei geht es natürlich nicht um das jeweilige Gebäude allein. Denn Kirche, das ist ja nicht nur Taufe, Konfirmation und Heiraten, sondern eben auch die soziale Heimat vieler. Die Stadtteilzentren werden jetzt schon immer leerer. Postfilialen schließen, Lebensmittelläden machen dicht. Und jetzt auch noch die Kirchen?“, fragte Kratzsch.



„Die Gebäude sind eben sehr emotional besetzte Orte“, erklärte Architekturpsychologe Manfred Schönberg, der auch im Buch zu Wort kommt. Es gebe keine verbindlichen Lösungsvorschläge für alle, aber einen wichtigen Grundsatz: „Alle Menschen, die zu der jeweiligen Gemeinde gehören, müssen bei der Entscheidungsfindung beteiligt sein.“ Das Buch enthält einen Entwurf, wie bei solchen Entscheidungsprozessen vorgegangen werden sollte. „Denn nur durch offen geführte Entscheidungsprozesse können kreative Lösungen gefunden werden. Anders werden sich zukünftig Kirchen nicht erhalten lassen“, bekräftigte der Psychologe.



Denn Kirchen sind kulturelles Allgemeingut und öffentliches Erbe und sollten deshalb nicht nur für die gottesdienstliche Nutzung, sondern auch für darüber hinaus gehende Angebote der Gemeinde offen stehen. Könnte vielleicht die städtische Bibliothek in die Kirche integriert werden? Oder das Gebäude als Probenraum für Chöre genutzt werden? Wie auch immer eine erweiterte Nutzung im Einzelnen aussehen kann: Die Gemeinden müssen es selbst entscheiden.

27.10.2008
Von: Frauke Haardt-Radzik. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 18. November 2017:
Losungstext:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1
Lehrtext:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Titus 2,14