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Knisterndes Feuer, Kerzenschein, Glühwein und Kekse: Der letzte Kaminabend, zu dem die Querenburger Gemeinde in diesem Winter ins Hustadtzentrum lud, bot Zündstoff. Die ehemalige Pfarrerin der Querenburger Gemeinde, Renate Wefers, stellte in Bild und Wort vier Stammmütter Jesu vor. Dabei ging es Wefers nicht um die historischen Wurzeln und Ahnen Jesu, sondern um die geistigen Vorfahrinnen, das ganz besondere Erbe, das Thamar, Rahab, Ruth und Bathseba dem Gottessohn vermachten.

„Stammbäume sind auch eine Brücke zwischen uns heute und unserer Vergangenheit. Wobei natürlich das Evangelium, in diesem Falle das des Matthäus, kein historischer Roman ist“, erläuterte Wefers den Ansatz ihres Vortrags. „Jesus ist in eine patriarchale Welt hinein geboren. Wenn Frauen in den Erzählungen überhaupt vorkommen, dann müssen sie sich durch irgendetwas Besonderes hervortun.“  Doch was ist es, was jede dieser Frauen zu geistigen Stammmüttern macht?

Da ist einmal Thamar („Die Palme“). Sie heiratete nacheinander zwei Söhne des Juda, beide Ehen bleiben kinderlos. Um nicht, wie damals in solchen Fällen üblich, verstoßen zu werden, wendet sie eine List an: Sie gibt sich als Hure aus und Juda, ihr zweifacher Schwiegervater, zeugt mit der angeblichen Hure ein Kind. Viele Irrwege sind noch zu bestreiten, doch letztlich geht Thamars Geschichte gut aus.

Auch Rahab steht als Hure außerhalb der Gesellschaft. Obwohl sie aus einem anderen Land stammt, bekennt sie sich zu Israel. Ebenso Ruth: Auch sie eine Fremde, die nach dem Tod ihres Mannes nicht in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehrt, sondern sich dafür entscheidet, ihr Schicksal mit dem ihrer Schwiegermutter fest zu verknüpfen („Wo Du hingehst, da will ich auch hin gehen“).

Als letzte Stammmutter stellte Wefers in ihrer spannenden theologischen Abhandlung Bathseba, „die Frau des Uria“ vor. Auf der einer französischen Bibel entnommenen Abbildung sieht man König David, wie er der Frau seines Untertanen beim Baden zuschaut. David verliebt sich in die Frau, nutzt dann seine Machtposition schamlos aus, indem er den Mann Bathsebas als Soldat in den Krieg schickt, in dem dieser wie erhofft stirbt, und schwängert dann dessen Frau. Als Geliebte des Königs hat Bathseba viele Jahre lang einen schweren Stand. Doch auch ihre Geschichte endet nach langem Durchhalten endlich gut. Denn ihr Sohn Salomo wird von David an seinem Sterbebett noch zum rechtmäßigen Erben ernannt.

Was eint nun all diese Frauen? Sie sind Migrantinnen, Außenseiterinnen der damaligen Gesellschaft, die mit eher unkonventionellen Mitteln für Treue, Mut und Durchhaltevermögen stehen, so das Resümee der vielen Anwesenden im völlig überfüllten Kaminzimmer. Über deren ungewöhnliche Lebensgeschichten entfachte sich an diesem Kaminabend noch eine lange und angeregte Diskussion.

09.03.2009
Von: Frauke Haardt-Radzik. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 22. Februar 2018:
Losungstext:
Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?
4.Mose 23,19
Lehrtext:
Jesus sprach zu Petrus: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Matthäus 14,31