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Verantwortung für die deutsche Geschichte übernehmen und durch tatkräftiges Handeln Versöhnung fördern: Das sind die erklärten Ziele der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF).

 

Mit einem Festakt in der Christuskirche Bochum, der genau 75 Jahre nach dem ersten „Bochumer Bekenntnis“ gegen die Nazis stattfand und an dem auch Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert teilnahm, würdigte die Evangelische Kirche von Westfalen das 50-jährige friedenspolitische Engagement der Organisation seit 1958.

 

Schuld und Sühne standen im Mittelpunkt der Predigt von Präses Alfred Buß. Der leitende Theologe der westfälischen Landeskirche erinnerte an Lothar Kreyssig, den Gründungsvater der ASF und seine Unterstützer: „Sie wussten, dass sie – im Wortsinne – nichts wiedergutmachen konnten, und haben doch auf Zeichen der Sühne gesetzt.“

 

Wer Sühne zum Programm mache, so Buß, habe einen langen und mühsamen Weg vor sich. „Aber es ist ein verheißungsvoller Weg, weil er auf Versöhnung ausgerichtet ist.“ Buß dachte an seine eigene Kindheit: „Als Kinder spürten wir: Es ist nicht wahr, dass Zeit Wunden heilt. Durch Schuld verbundene Menschen sind aneinander gekettet. Aber Schuld und Hass führen nicht ins Leben, sondern in den Strudel weiterer Schuld und neuen Unrechts.“

 

„Wer für Versöhnung arbeitet, gibt dem Frieden Wurzeln“, griff Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert das ASF-Jahresmotto auf und würdigte die Organisation als „herausragendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement“. Mit ihrem Aufbruch zu konkreten Arbeiten habe die Organisation einen wichtigen praktischen Beitrag zur Versöhnung geleistet. „Wer sich einen Rest an Sensibilität für die historischen Ereignisse bewahrt hat“, so Lammert, wisse, dass dieser Friede wahrlich keine Selbstverständlichkeit sei. Seinem Dank für das bislang Geleistete schloss Lammert seine „zuversichtliche Erwartung“ an, dass die Friedens- und Versöhnungsarbeit in den nächsten Jahrzehnten engagiert fortgesetzt werde.

 

"Lassen Sie uns gemeinsam wachsam bleiben“, bekräftigte Superintendent Fred Sobiech und rief dazu auf, die "Schweigespirale" beim Thema Rechtsextremismus zu durchbrechen. Es gelte, die Wurzeln des Rechtsextremismus zu bekämpfen, der in der Mitte der Gesellschaft "und damit in unserer Nachbarschaft" angekommen sei. Daher seien alle aufgefordert, vor Ort hinzusehen und zu handeln.

 

Wie notwendig dieses Engagement auch in Zukunft sein wird, zeigt die 2006 von der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte Studie „Vom Rand zur Mitte“, die sich mit rechtsextremen Einstellungen in der Gesellschaft befasst. Der Soziologe und Mitverfasser Oliver Decker lenkte in seinem Impulsreferat den Blick auf die Kirche. Sein Fazit: Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit sind unter Katholiken und Protestanten stark ausgeprägt, zum Teil sogar stärker als unter Konfessionslosen.

 

Die Konsequenz: Kirchen  müssen sich der Herausforderung stellen und rechtsextremen Tendenzen in den eigenen Reihen verstärkt entgegenwirken. Die Unvereinbarkeit von Christentum und Rechtsextremismus steht für ASF-Geschäftsführer Dr. Christian Staffa außer Frage: Schließlich begründe die Schöpfungstheologie die Gleichheit aller Menschen – und: „Jesus war Jude.“

 

Zum Foto:

 

(v. l.:) Superintendent Fred Sobiech, Dr. Christian Staffa (ASF), Ruth Misselwitz (ASF), OB Dr. Ottilie Scholz, Präses Alfred Buß, Bundestagspräsident Norbert Lammert.

 

20.06.2008
Von: Gert Hofmann. Foto: dito

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 19. November 2017:
Losungstext:
Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.
5.Mose 2,7
Lehrtext:
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
1.Korinther 3,7