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Auch Zuhause greift Margarete Erdmann immer noch in die Tasten und singt Volkslieder. Foto: Eberhard Franken

Die Frau ist gut drauf. Landläufig gesagt: Fit wie ein Turnschuh. Der Verstand arbeitet messerscharf, die Ohren hören jeden falschen Ton, und ihre Augen erkennen präzise die winzig kleinen Punkte auf den Notenblättern, die der 45-köpfige Projektchor der evangelischen Kirchengemeinde Langendreer benutzt. Außerdem feiert sie nun ein Jubiläum, das ganz sicher nicht viele Menschen in ihrem Leben feiern können. Die Langendreererin Margarete Erdmann singt seit 80 Jahren im Chor der Gemeinde.

„Als ich 1937 geboren wurde“, lacht Gerhard Nötzel, selbst gerade 80 Jahre alt gewordene gute Seele der Christuskirche, „trat Grete nach ihrer Konfirmation, gerade 15-jährig, in den Kirchenchor ein.“ Gretes Bruder Karl und ihre Schwester Anni waren schon dabei. Seitdem singt auch sie mit – und wird dann im kommenden Jahr bei hoffentlich bester Gesundheit ihren 96. Geburtstag feiern.

„Damals mussten die Kandidaten rausgehen“, erinnert sie sich, „und dann wurde abgestimmt, ob du mitsingen durftest.“ Ihr Klavierlehrer war gleichzeitig Chorleiter und hatte ihr den Weg geebnet. Denn sie kam aus einer musikalischen Familie. Vater Johannes spielte Zither, Mutter Anna sang wie Bruder Thomas, der außerdem noch Geige spielte.

Kriegsbedingt lag das Gemeindehaus in Trümmern. Deshalb trafen sich die Chormitglieder z.B. bei Landau oder im Lokal von Martha Hohenhoff an der Ecke Hauptstraße/Stockumer Straße. „Es waren schlimme Zeiten, aber es kamen immer ein paar Leute zu den Proben.“

Einige sangen gar in zwei Chören. Der MGV „Arion“ war 1859 gegründet worden und unterstützte jahrzehntelang auch die Gottesdienste in der Christuskirche. Erst 1919 gründete Pastor Lichtenthäler einen eigenen Kirchenchor.

Auch Margarete Erdmann sang „doppelt“: Sie hatte von 1939 bis 1941 in der Augusta-Kranken-Anstalt den Beruf der Köchin gelernt und dann zehn Jahre auf Zeche Lothringen gekocht, bis sie ihren Heinz heiratete, der schließlich im Schatten des Amtshauses eine Metzgerei eröffnete. Die Fleischerinnung hatte einen eigenen, gemischten Chor, der Grete viel Spaß machte. „Wir haben bei so vielen Festen gesungen“, erinnert sie sich. Und wenn die Stimmung gut war, dann spielte sie mit ihrem Mann zur Freude der anderen die „Petersburger Schlittenfahrt“.

Die Musik liebt sie noch immer. Und es ist nicht nur der Kirchenchor. Einmal pro Woche ist Freundin Margret Göbels aus Schwerte zu Besuch. Die 91-jährige kommt mit dem Auto nach Langendreer. „Wir sitzen dann am Klavier und singen Volkslieder.“ Weil sie so oft übe, sagen die Mitsänger, „ist ihre Stimme immer noch so gut.“

22.12.2017
Von: Eberhard Franken

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 21. Januar 2018:
Losungstext:
Ich will deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast dein Wort herrlich gemacht um deines Namens willen.
Psalm 138,2
Lehrtext:
Jesus betet: Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
Johannes 17,26