Direkt zum Inhalt der Webseite springen

Wolfgang Maaser ist Professor für Ethik an der Evangelischen Hochschule RWL in Bochum.

Traugott Jähnichen ist Professor für christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität. Fotos: Haardt-Radzik

"Wir haben zum Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr viel von Luthers Theologie gehört – doch wie sieht es mit Luthers Ethik aus, der Frage nach dem Handeln?"

Diese Frage reichte Pfarrer Arno Lohmann, Leiter der Evangelischen Stadtakademie, an die beiden Bochumer Professoren, Dr. Traugott Jähnichen und Dr. Wolfgang Maaser, weiter. Sie traten in der Stadtakademie mit einem Vortrag im ständigen Wechsel an, gingen dabei jeweils auf einzelne Aspekte der Ethik Martin Luthers ein.

Seit der Reformationszeit warf man Martin Luther immer wieder vor, er habe das Gewicht so sehr auf den Glauben gelegt, dass alle Werke und Leistungen des Menschen ohne Bedeutung zu sein scheinen. Jähnichen und Maaser dagegen stellten klar, dass das Gebot der Nächstenliebe ein wesentlicher Aspekt der Lutherschen Ethik sei. Bei Luther treten an die Stelle "frommer Werke", wie Wallfahrten, Pilgern oder Ablass, die "guten Werke", die dem Nächsten dienen.

Und was ist bei Luther mit der Nächstenliebe gemeint? „Er meint ganz konkret, die Not des Nächsten zu sehen“, stellt Maaser klar. Dabei könne z.B. ein gutes Werk sein, dass man einem Bettelnden nicht einfach Geld zusteckt, sondern ihm Arbeit gibt und ihm damit auch seine Würde zurückgibt. „,Fromme Werke‘ werden durch den Protestantismus beendet“, formuliert Jähnichen. Die „Guten Werke“ dagegen seien im Protestantismus eine automatische Folge des Glaubens.

Das Gebot der Nächstenliebe: Bei Luther eine Art Superkriterium, eine Norm für Normen, an der sich alle anderen Kriterien, Regeln und Gesetze zu messen haben.

Was sagt Luthers Ethik über das Zusammenleben der Menschen aus?  Das Sakrament Ehe lehnte Luther klar ab. Dies bewirkte, dass die Ehe deutlich aufgewertet wurde. Luther sah sie als  wechselseitige Verantwortung der Geschlechter. Einerseits erschien ihm die Ehe als etwas Nützliches, andererseits sei sie ein Bewährungsfeld christlichen Zusammenlebens, zeigten die beiden Vortragenden auf.

Und was sagt Martin Luther zum Thema Scheidung? „Unter bestimmten Voraussetzungen ist sie bei Luther erlaubt“, erläuterte Maaser. Dazu zählten etwa die Impotenz des Mannes, wenn sich die Frau prinzipiell sexuell verweigere, wenn beide Partner fremd gingen und, ein überraschender Aspekt für das 16. Jahrhundert, in dem Luther all dies schrieb, wenn sich herausstelle, dass einer der Partner beziehungsunfähig sei.

Ein weiterer Aspekt der Lutherschen Ethik beschäftigt sich mit dem Thema Handel. „Geld ist bei Luther grundsätzlich gar nicht so negativ zu sehen. Jeder Mensch hat das Recht, das für ihn, sein Hauswesen Notwendige zu haben. Güter, um sein Leben zu führen, gehören  dazu.“

Jähnichen stellte heraus, Luther habe darauf vertraut, dass Menschen einen intuitiven Sinn für Fairness entwickelten. „Ein ehrbarer Kaufmann, der recht und billig handele, also sich an die Gesetze hält und anständig seinen Handel betreibt, gehörte für ihn zum normalen Leben dazu.“  Sehr wohl kritisierte Luther jedoch das Gebaren, dass jeder für sich möglichst viel herausschlagen will, oder durch komplettes Aufkaufen von Ware eine Monopolbildung entsteht. Wucher war in der damaligen Zeit ein großes Problem.

„Zentral ist das Gebot der Nächstenliebe, das ist die durch den Glauben vermittelte Grundhaltung, in der der Christ handelt“, fasste Jähnichen schließlich Luthers Anweisungen für ein christliches Leben zusammen. „Der Protestantismus hat die Lebensführung im Alltag der Welt im Geist der Liebe neu profiliert.“

Zum Nachlesen: „Traugott Jähnichen/Wolfgang Maaser, Die Ethik Martin Luthers, Studienreihe Luther 17, Luther Verlag Bielefeld, 224 S., 12,95 Euro.

11.02.2018
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 22. Februar 2018:
Losungstext:
Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?
4.Mose 23,19
Lehrtext:
Jesus sprach zu Petrus: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Matthäus 14,31