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Chris Hopkins und das Gypsy-Swing Trio (v.l.: Chris Hopkins, Joscho Stephan, Christian Ramond) und Thomas Anzenhofer während der Gedenkfeier in der Christuskirche Bochum. Foto: Frauke Haardt-Radzik

„Wir müssen uns um die Stimmung in unserer Stadt kümmern!“ Unter diesem Motto stand die diesjährige Gedenkfeier in der Christuskirche Bochum am Tag der Befreiung von Auschwitz.

Allein in diesem Vernichtungslager sind über eine Million Menschen ermordet worden. Erschreckend festzustellen, dass Antisemitismus heute, gerade ein Menschenleben später, wieder zum Thema wird. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es in meiner Stadt dahin kommt“, stellt Chris Hopkins, international gefeierter Swing-Pianist und Bochumer, fest. Und fügt an: „Wenn wir das akzeptieren würden, gäben wir uns selber auf.“

Folgerichtig hat Hopkins, angefragt, ob er zum „Tag der Befreiung“ bei der Gedenkveranstaltung in der Christuskirche spielen würde, sofort zugesagt. Ebenso die Kabarettistin Esther Münch, das ArtTone Trio mit den Musikern der Bochumer Symphoniker, Ursula Hrdinova, Louisa Spahn und Janet Boram Lee, sowie der Schauspieler Thomas Anzenhofer.

Quälend lange, schier nicht enden wollende Listen mit Namen der Opfer wurden in der Christuskirche vorgelesen, alphabetisch, was irgendwie noch einmal mehr die unmenschliche Dimension dieser Gräueltaten deutlich spürbar werden ließ.

Gerald Hagmann, Bochums Superintendent, Esther Münch, und Oberbürgermeister Thomas Eiskirch trugen diese bedrückend lange Namensliste von Bochumer Bürgerinnen und Bürgern vor. Die, weil sie anders waren, an eine andere Religion glaubten, weil sie Juden waren, verfolgt und schließlich ermordet wurden. „Wir erinnern an alle“, stellte Oberbürgermeister Eiskirch dazu klar.

Unterbrochen wurde das Verlesen der Namen durch Musik, gespielt vom ArtTone Trio, das Werke damals verfemter Künstler zu Gehör brachte. Die Musik verstärkte das Bedrückende des Abends.

Die Christuskirche war an diesem Tag bis auf den allerletzten Platz besetzt, ein Zeichen der Hoffnung. „Es ist gut, dass Sie hier sind und Flagge zeigen“, stellte Esther Münch fest.

Und dann, als hätten sie schon eine Ahnung gehabt, legten Chris Hopkins und sein Gypsy-Swing Trio los. Neben Christian Ramond am Bass gehörte dazu der grandiose Joscho Stephan, einer der besten Gypsy-Gitarristen im Land. Gemeinsam mit dem Schauspieler Thomas Anzenhofer erinnerten die Musiker an in der Nazi-Zeit verfolgte Sinti und Roma. Musiker, die den Swing auch nach Bochum gebracht haben.

Und ganz besonders wurde in dieser Feierstunde an Coco Schumann gedacht. Jenen Musiker, der die Nazis überlebte. Dabei war es die Musik, die dem Gitarristen das Leben gerettet hat, die ihn zwei Konzentrationslager überstehen ließ. Coco Schumann, Sohn einer Jüdin, brachte den Swing damals nach Berlin. Und Chris Hopkins und sein Gypsy-Swing Trio ließen die Musiker-Legende noch einmal so richtig hochleben.

Ironie des Schicksals? Schumann, der Ghetto Swinger, wie er sich in seiner Autobiografie nannte, verstarb genau an diesem Gedenksonntag zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, im Alter von 93 Jahren in Berlin.

01.02.2018
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 22. Februar 2018:
Losungstext:
Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?
4.Mose 23,19
Lehrtext:
Jesus sprach zu Petrus: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Matthäus 14,31