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Pfarrer Arno Lohmann, Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum

Evangelische Stadtakademie – das ist auch heute noch in der Öffentlichkeit eine bekannte „Marke“. In der Evangelischen Kirche von Westfalen gibt es nur noch wenige Stadtakademien. Antje Rösener, Geschäftsführerin des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Westfalen und Lippe, sprach für die Kirchenzeitung Unsere Kirche mit Pfarrer Arno Lohmann, Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum.

Herr Lohmann, welche Veranstaltung der Stadtakademie aus der letzten Zeit ist Ihnen in besonderer Erinnerung?

Lohmann: Gar nicht so leicht. Kürzlich stand ein Vortrag des Dortmunder Physikers Professor Dr. Andreas Neyer auf dem Programm: „Quantenphysik und unsere Sicht auf das Leben“. Das war ein profilierter, auch für Nichtphysiker verständlicher Vortrag aus unserer Reihe „ÖkoSphäre – Perspektiven für eine neue Politik des Lebens“. Über achtzig Zuhörende, zur Hälfte Studierende aus einem theologischen Seminar der Ruhruniversität, diskutierten anschließend, was der prozesshafte Charakter, der allen Quanten eigen ist, für das Verhältnis von Mensch und Welt und Gott haben kann.  Sehr spannend! An den Erkenntnissen der Quantenphysik sollte die Theologie nicht vorbeigehen.

Das klingt anspruchsvoll. Haben Sie auch Veranstaltungen ganz anderer Art im Programm?

Lohmann: Natürlich, pro Jahr bieten wir circa 130-140 Veranstaltungen an. Neben Vorträgen auch Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte oder Kunstausstellungen an verschiedenen Orten. Kürzlich haben wir eine Kunstausstellung im Bochumer Schlosspark Weitmar besucht. Beeindruckt hat mich, wie sich die Teilnehmenden auf abstrakte Kunst, auf Maler wie Arnulf Rainer, Gotthardt Graubner oder auf Skulpturen des koreanischen Künstlers Lee Ufan eingelassen haben.  Mich beschäftigt auch die Frage, welche spirituellen Erfahrungen Menschen mit dieser Kunst machen und was diese möglicherweise mit religiös-christlicher Erfahrung zu tun haben können.  

Wer kommt zu Ihnen?

Lohmann: Generell sind immer alle eingeladen. Die Vereinsmitglieder der Stadtakademie sind meist älter, es kommen erfreulicher Weise zunehmend mehr junge Interessierte und auch Studierende. Kooperationen mit anderen sind sehr wichtig. Darüber kommen viele Menschen zu uns. Die Evangelische Stadtakademie ist ein Forum mitten in der Stadt. Sie lebt von der Vielfalt der eingebrachten Ansichten. Gerade darin ist sie ein wichtiger Teil Evangelischer Kirche in Bochum.

Die Evangelische Stadtakademie hat in Bochum einen sehr guten Ruf. Woran liegt das?

Lohmann: Ich will nicht unbescheiden sein, aber ich glaube, das liegt immer an der Programmqualität. Ich bemühe mich, Themen von aktuellem Interesse anzusprechen. Jede Veranstaltung muss in sich eine hohe Qualität haben. Die Referentinnen und Referenten sollten Experten ihres Faches sein und große Sachkenntnis und hohe Kompetenz einbringen. Seit ihrer Gründung 1953 sucht die Stadtakademie das Gespräch mit den inzwischen sechs Universitäten und Fachhochschulen, den Kunst- und Kultureinrichtungen der Stadt, ebenso wie mit der Politik. Ebenso wichtig ist, viele gesellschaftliche Institutionen, Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände oder Öko-Gruppen zur Mitwirkung einzuladen.

Gab es auch mal richtig Krach? Akademien sind ja Orte, an denen auch Kontroversen ausgetragen werden.

Lohmann: Ich möchte sagen: Zum Glück gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Das gehört dazu. Einen heftigen Krach gab es bei einer Veranstaltung, die mit dazu beitragen sollte, den Aghet von 1915, also den Völkermord an den Armeniern, endlich als solchen in die nordrhein-westfälischen Schulbücher aufzunehmen. Der Streit zwischen den armenischen und türkischen Vertretern, aber auch mit den weiteren anwesenden Volksgruppen aus dem Gebiet des ehemaligen Armeniens und schließlich auch mit den deutschen Zuhörenden eskalierte lautstark. Doch am Ende der Veranstaltung betonten alle Seiten, dass sie für diese Möglichkeit der Auseinandersetzung dankbar seien. Wo sonst gebe es einen Ort, an dem in der hier möglichen Weise diskutiert und schließlich doch aufeinander gehört werde. Alle baten mich, das Thema „Armenien“ fortzusetzen.

Und haben Sie das gemacht?

Lohmann: Ja, solche Impulse greife ich gerne auf. Aktuell zeigen wir eine Ausstellung zum Völkermord an den Armeniern der Berliner Künstlerin Lisa M. Stybor  und Armenierinnen und Armenier sind eingeladen, ihre Erinnerungen zu formulieren. Ich denke: Auseinandersetzungen dürfen nicht vermieden werden, vielmehr ist der Wert der einzelnen Positionen erkennbar zu machen.

Bochum ist die einzige Stadtakademie in der westfälischen Kirche, in der ein hauptamtlicher Pfarrer beschäftigt ist. Was gehört zu Ihrem Aufgabenbereich?

Lohmann: Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Der Kirchenkreis Bochum hat die Pfarrstelle für Erwachsenen- und Familienbildung, die immer mit der Leitung der Stadtakademie verbunden war, vor sieben Jahren leider aufgehoben. Ich arbeite als Pfarrer der Landeskirche mit Beschäftigungsauftrag im Kirchenkreis Bochum. Zu meinen Aufgabenfeldern gehören neben der Programmplanung für die Stadtakademie auch die Verantwortung für die Evangelische Erwachsenen- und Familienbildung im Kirchenkreis.

Was steht demnächst auf dem Programm?

Lohmann: Der Kirchentag in Stuttgart endete mit einem Aufruf an alle Christen, sich für den Frieden einzusetzen. Doch soll dafür auch militärische Gewalt erlaubt sein? Zu dieser Frage diskutieren am 24. November der Mennonit Professor Fernando Henns und Professor Hans-Richard Reuter aus Münster. Zwei namhafte Theologen mit unterschiedlichen Sichtweisen. Darüber hinaus versuchen wir einen „anderen Blick auf den Islam“ und begrüßen so namhafte Wissenschaftler wie Professor Khorchide aus Münster oder den Schriftsteller Navid Kermani aus Köln. Für aktuelle Themen wird die Stadtakademie auch in Zukunft wach und offen sein. Selbstverständlich wird im Herbst dann auch der neu zu wählende Bochumer Oberbürgermeister eingeladen.


Das Programm der Stadtakademie in Bochum kann angefordert werden unter Tel. 02 31 / 9 62 90 46 61 und ist im Internet verfügbar unter www.stadtakademie.de. Dort in der Mediathek stehen auch Vorträge in Auswahl zum Nachhören und weitere Materialien zum Download bereit. Außerdem gibt es Veröffentlichungen zu aktuellen Themen.

25.06.2015
Von: UK / Foto: Stadtakademie

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 21. Januar 2018:
Losungstext:
Ich will deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast dein Wort herrlich gemacht um deines Namens willen.
Psalm 138,2
Lehrtext:
Jesus betet: Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
Johannes 17,26