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Teilnehmer der Grubenfahrt (v.l.): Pino Tamussza (Knappschafts-Krankenhaus), Frank Neumann (Bäckerhandwerk), Eralp Mücahit (Doncasters), Rose Richter (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt), Michael Hilgenstock (LWL-Universitätsklinikum), Sabine Obelode (OGS Kirchenkreis), Rouven Richter (Azubi), Sabine Grebhardt (Mercedes Lueg), Dirk Stüter (Doncasters), Horst Luther (Outokumpo) und Volker Neurath (Eickhoff). Foto: privat

So ganz genau wussten die Bochumer Betriebs- und Personalräte aus verschiedenen Betrieben und Branchen nicht, was mit einer Grubenfahrt auf sie zukommen wird, zu der der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, Bochum, eingeladen hatte.

Das änderte sich schlagartig mit der Sicherheitsunterweisung über die Handhabung und Funktion des Atemschutzfilters von Uwe Hölting: „Wenn ich Ihnen sage, dass Sie ihn benutzen sollen, machen Sie das sofort! Selbst der erste Kohlenmonoxyd-Atemzug kann tödlich sein.“

Auf die erste Nachfrage, wie schnell und wie tief der Fahrstuhl fährt, lautet die Antwort: „Wir haben keinen Fahrstuhl.“ Das war die erste Lektion der Bergmannssprache: Der Fahrstuhl heißt Förderkorb!

Dann geht es zur „Kaue“. Wer runter will, muss sich nackig machen. Kompletter Kleidungswechsel bis hin zu Püttsocken und hellblauer Rippunterhose mit Eingriff. Wir schwitzen schon jetzt und können uns kaum noch bewegen. Nun allerdings kommt noch die Schutzausrüstung dazu: Helm, Handschuhe, Gehörschutz, Schienbeinschoner, Knieschoner, Sicherheitsbrille und dicke Sicherheitsstiefel. Eine Flasche Wasser müssen wir auch noch unterbringen.

Gemeinsam stolpern wir hinter Uwe Hölting her in die Lampenstube. Hier bekommen wir eine Unterweisung, wie wir die Grubenlampe inklusive Akku und den Sicherheitsfilter festmachen können.

Vorsichtig suchen wir einen festen Stand im Förderkorb. Doch die 11-Uhr-Schicht fährt auch an. Als alle eingestiegen sind, brauchen wir uns um einen festen Stand keine Sorgen zu machen … Dann wird es laut und dunkel: Es geht 1200 m abwärts.
Wir marschieren zu einem Sammelplatz, schon jetzt ziemlich erschöpft, das Grubenhemd durchgeschwitzt. Die Bergleute müssen jetzt vier Kilometer laufen – wir Besucher können mit der Dieselkatze (so nennt man die Hängebahn) fahren. Auch hier ist schon das Hineinklettern eine Herausforderung. Mit ohrenbetäubendem Lärm ruckelt die Bahn los.

Reden ist unmöglich. Es wird mal warm, mal eiskalt, es ist zugig und dunkel. Die Dieselkatze hält an, und wir mühen uns heraus. Zu Fuß geht es weiter. Es geht bergauf, bergab, es ist teilweise rutschig und uneben. Überall gibt es Leitungen, Rohre und andere Hindernisse, denen wir ausweichen müssen.

Endlich vor uns der Streb. Jetzt heißt es, die Lampe am Helm befestigen und hineinkrabbeln. Gegenüber an der Wand glitzert die Kohle, hinter uns der alte Mann (die abgebaute Strecke), neben und über uns das schützende Schild. Dann fährt der Hobel hin und her und fräst die Kohle heraus. Spätestens jetzt ist auch der Letzte von uns schwarz im Gesicht.

Rückmarsch ist angesagt, und schnell krabbeln alle aus der Enge heraus. Derselbe unwegsame Weg zurück. Das Einsteigen in die Dieselkatze noch anstrengender als am Anfang. Auf dem Rückweg sind wir dankbar für den Lärm. So können wir nicht einschlafen, und Reden hätten wir eh nicht mehr gekonnt. Am Ende der Fahrt steigen wir steif aus der Bahn und machen uns hungrig und müde auf zum Förderkorb.

Schnell geht es wieder ans Tageslicht und - nach der Rückgabe von Filter und Lampe - in die Kälte nach draußen. Nach dem Duschen gibt es einen Eintopf – und alle nehmen auch den zweiten Teller gern an.

Zum anschließenden Gespräch ist der Betriebsrat der RAG dabei. Er berichtet von den Höhen und Tiefen des Bergbaus, und dass bis heute immer alle an einem Strang gezogen haben.

Ende der 60er waren sie mal 600 000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft war stark, sie setzte die Mitbestimmung durch. Die Montanunion im Ruhrgebiet wurde die Keimzelle der Europäischen Union.

Durch das Steinkohlefinanzierungsgesetz hat die RAG allein in den letzten zehn Jahren über 30 000 Mitarbeiter abgebaut, und das ohne soziale Verwerfungen.

Über der Förderung stand immer die Gesundheit der Mitarbeiter, und keiner sollte „ins Bergfreie“ fallen (arbeitslos werden). Dafür werden und wurden alle Anstrengungen unternommen. Bemerkenswert ist, dass die Motivation der Beschäftigten, ebenso wie die Zufriedenheit mit dem Unternehmen, nach wie vor sehr hoch ist.

Der subventionierte Steinkohlebergbau läuft 2018 aus. Sicher ist, dass deshalb in Deutschland keine Tonne Kohle weniger verbrannt wird. Sicher ist auch, die Kohle wird aus Ländern kommen, in denen Kinderarbeit und Unfälle keine Ausnahmen sind.

06.03.2018
Von: Rose Richter

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Mittwoch, 20. Juni 2018:
Losungstext:
Der HERR wird dir seinen guten Schatz auftun, den Himmel, dass er deinem Land Regen gebe zur rechten Zeit und dass er segne alle Werke deiner Hände.
5.Mose 28,12
Lehrtext:
Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Johannes 1,16