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Engagiert moderierte Pfarrer Volker Rottmann die Gruppe "Gottesdienste".

Mit Playmobil-Puppen wurde die Gemeindesituation nachgestellt. Foto: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

"Perspektivwechsel" heißt das neue Entwicklungskonzept für den Gemeindebezirk Johanneskirche der evangelischen Kirchengemeinde Bochum. Über 100 Gemeindemitglieder trafen sich jetzt unter dem Motto "Wir planen die Zukunft der lebendigen Johanneskirche", um das Zukunftskonzept mit Anmerkungen und praktischen Zielen aufzufüllen.

Pfarrer Dr. Volker Böcker vom kreiskirchlichen Schulreferat übernahm die Moderation. "Sie haben hier die Möglichkeit, Ihre Ideen zur Zukunft Ihrer Gemeinde mit einfließen zu lassen", erklärte er bei der Begrüßung. Sei Votum am Ende hieß: "Das war der Auftakt. Machen Sie sich mit auf den Weg und wirken Sie in den Arbeitskreisen weiterhin mit!" Dazwischen lag ein gut dreistündiger Projektnachmittag mit einem Rundgang durch die Kirche zu vorhandenen Angeboten, vielen lebhaften Diskussionen in fünf Foren sowie einigen Einzelgesprächen.

Zunächst ließ Pfarrer Volker Rottmann die Gemeindegeschichte Revue passieren. "Veränderungen waren seit Beginn mit der ,Frauenhülfe‘ im Jahr 1894 immer Teil der Gemeindearbeit", leitete er seinen Rückblick ein.

Die evangelische Johannesgemeinde besteht erst seit 1964 mit der gleichnamige Kirche an der Ennepestraße. Seit 2006 ist sie wieder Teil der evangelischen Kirchengemeinde Bochum. "Rund 8.600 Gemeindemitglieder hatten wir 1966", sagte Rottmann. Heute gehörten zum Bezirk Johannes etwa 3.400 Menschen, zur Gesamtgemeinde Bochum rund 11.000. Ein Überblick zur Stadtteilarbeit im StadtTeilLaden folgte. "Die Johanneskirche ist nun unser Zentrum. Bis 2025 rechnen wir mit 50 Prozent Einbuße bei der Kirchensteuer. Das heißt zukünftig auch weniger Pfarrstellen", erklärte Rottmann weiter.

Gleichzeitig bewege sich derzeit um die Johanneskirche herum viel. Rottmann: "Die Baugesellschaft VBW erneuert ihre Häuser im Quartier. Die Stadt Bochum und die VBW überplanen bereits Flächen rund um die Kirche. Da stellt sich die Frage: Wie wollen wir uns da als Gemeinde aufstellen? Benötigen wir noch diesen Gottesdienstraum, den wir ab freitags aufheizen, damit zum Sonntagsgottesdienst etwa 30 Menschen kommen?"

In sechs Gruppen diskutierten die Teilnehmer anschließend zukünftige Schwerpunkte. Dazu gehörten "Kirche und Umfeld" als größter Kreis, "Gottesdienste", "Finanzen", "Sozialisation", "Koordination" (Vernetzen bestehender Strukturen) und "Öffentlichkeitsarbeit".

Im Arbeitskreis "Kirche und Umfeld" prallten unterschiedliche Positionen aufeinander. Als Leitlinie für die weitere Arbeit kristallisierte sich heraus, kurzfristig die Kirche für neue Angebote herzurichten, langfristig eine bauliche Umgestaltung bis hin zu einem möglichen Abriss.

Die Gruppe "Finanzen" setzte zunächst auf neue Kulturangebote und Sponsoring. Im Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“ sollten zum Beispiel Soziale Medien wie Facebook mehr genutzt werden, lautete eine Empfehlung, den Gemeindebrief "Dompfaff" verbessern und gezielter Gemeindegruppen zu speziellen Angeboten einladen, hießen weitere Vorschläge.

Mehr lebendigere Gottesdienste - etwa speziell für Jugendliche - hieß eine Antwort aus dem Kreis "Gottesdienste". Das Gegenlesen heutiger Gemeindeangebote machten die Gruppen "Sozialisation" und "Koordination" zum Thema: "Wir stellen fest, dass die kirchlichen Angebote einzelne Gruppen wie Erwerbstätige im Lebensalltag nicht mehr erreichen. Etwa die Meditation morgens um 8 Uhr", erklärte Sprecherin Silke Neufeld aus der Gruppe "Sozialisation". Die Teilnehmer im Bereich "Koordination" sahen Schwächen beim Miteinander der Gemeindegruppen sowie bei der Ansprache Neuhinzugezogener.

Die Arbeitskreise sollen die Projekte bis Sommer fortführen. Wer daran mitwirken möchte, kann sich an das Gemeindebüro in der Pariser Str. 4-6 (neben der Pauluskirche), Tel. 0234/9129126, wenden, oder an den StadtTeilLaden Grumme, Silke Neufeld, Ennepestraße 1, Tel. 0234/591214, Mail: neufeld@stadtteilweb.de oder auch an Pfarrer Volker Rottmann, Mail: volker.rottmann@gmx.de, Tel. 0234/4175644.

Der Bezirk Johanneskirche

Vor Beginn der Industrialisierung lebten 1883 nur 782 Bürger in der Bauernschaft Grumme. Die „Frauenhülfe“ war 1894 die erste evangelische Institution im Industriequartier. Kranken- und Altenpflege sowie Kinderbetreuung waren ihre Aufgaben angesichts der sozialen Folgen des Wandels zur Industriegesellschaft. 1900 übernahm der erste Pfarrer der Gemeinde Bochum die Seelsorge. Die erste Kirche war 1910 die Lutherkirche am Stadtpark. Das August-Hermann-Francke-Haus als erstes Gemeindehaus setzte ab 1914 auf Gruppentreff, Kleinkindschule, Sozialstation und Betsaal. Das Wichern-Haus hatte ab 1933 dieselben Zielsetzungen. Besonders waren dort Örtlichkeiten zur Körperpflege.

Bis 1964 gehörten die Gemeindebezirke "Francke-" und "Wichern-Haus" zur Gemeinde Bochum. Von 1962 bis 64 entstand die Johanneskirche als Predigtstandort.

Nach der Amtseinführung von Pfarrer Volker Rottmann startete ab 1986 zusammen mit der damaligen Evangelischen Fachhochschule die Stadtteilarbeit. Stationen waren das "Cafe Kirche" (1987), Stadtteilladen und Straßenfest (1991), Bürgerverein "Leben im Stadtteil" (1993), Bäckerei mit Cafétreff (1995), Stadtteilkonferenz (1998), Jugendtreff "Sit down" und Kunstatelier "Fabula" (2001), "Mittagstisch" (2002), "Computer Club Grumme" mit Internet-Café (2005), „Unterstützendes Wohnen“ (2006), „Paten-Oma" (2011), „Zuhause Alt Werden“ (Patenschaft mit Senioren, 2013) sowie "Miteinander - Füreinander" (Patenschaft für Geflüchtete) in 2016.

Arbeitsbereiche und Häuser schlossen: die Kindertagesstätte Liboriusstraße (2004), das "Wichern-Haus" (2006), das "Francke-Haus" (2014 - Abriss Ende 2017). Der Jugendtreff "Sit down" zog nach Stationen im "Wichern-" und "Francke-Haus" 2014 ins Pfarrhaus an der Kirche.

11.03.2018
Von: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 26. April 2018:
Losungstext:
Josef blieb im Gefängnis, aber der HERR war mit ihm.
1.Mose 39,20.21
Lehrtext:
Das Licht scheint in der Finsternis.
Johannes 1,5