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Ruandas Kirchenpräsident Bataringaya in der Evange- lischen Stadtakademie. Foto: FHR

Hoher Besuch stand an in der Evangelischen Stadtakademie. Kirchenpräsident Reverend Dr. Pascal Bataringaya aus dem afrikanischen Ruanda stellte in Bochum die ganz besondere Versöhnungsarbeit der Kirche nach dem grauenhaften Genozid in seiner Heimat vor.

Von April bis Juli 1994 ermordeten radikalisierte Hutu-Milizen vor den Augen der UN-Öffentlichkeit mehr als 800.000 moderate Hutu und vor allem große Teile der Tutsi-Bevölkerung.

„Täter und Opfer bzw. Überlebende müssen zusammenkommen und reden. Nur so kann ein ehrlicher Friedensprozess in Gang gesetzt werden.“ Dies verdeutlichte Pascal Bataringaya in seinem Vortrag in der Stadtakademie. Und nach eben diesem Grundsatz verfahren in dem afrikanischen Land die traditionellen Gacaca-Gerichte. Dabei können sich alle Anwesenden, sowohl Täter als auch Opfer als auch Zuschauer an der Diskussion beteiligen und so schließlich Lösungsvorschläge vorbringen.

„Die traditionellen Gacaca wurden als informelle Instanzen aufgefasst, aber ihre Konfliktlösungsmechanismen waren für die Gesellschaft von großer Bedeutung und genießen noch heute eine hohe Akzeptanz und Anerkennung. Dabei ist wichtig, dass die Bevölkerung  einfachen Zugang zu den öffentlichen Verhandlungen hat und eine große Nähe zwischen Bevölkerung und Gacaca besteht“, so der Reverend weiter. „Die Wirkung, die daraus folgt, dass Opfer und Täter sich an einem neutralen Ort direkt gegenübertreten, ist unermesslich.“

Um den sozialen Frieden innerhalb der Gemeinschaft wiederherzustellen, war es notwendig, für mögliche verursachte Schäden in angemessener Weise eine Entschädigung zu leisten. Für Täter konnte das heißen, einen Teil der Strafe im Gefängnis abzusitzen und den anderen Teil mit gemeinnütziger Arbeit und Leben in der Gemeinschaft zu leisten.

Auch ungewöhnliche Wege wurden bei dieser Friedensarbeit, die die kirchliche Versöhnungskommission initiiert und begleitet hat, beschritten. Um die Menschen nach den unvorstellbaren Gräueltaten dazu zu bringen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, schenkte man etwa zwei ehemaligen Gegnern gemeinsam eine Kuh, verbunden mit dem Auftrag, gemeinsam für das Tier zu sorgen. Dabei ließ es sich ja einfach nicht verhindern, zumindest ein wenig miteinander zu sprechen.

Inzwischen wird deutlich, welche grundlegende Bedeutung diesen Impulsen der kirchlichen Versöhnungskommission zukommt für die danach kaum für möglich gehaltene Entwicklung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes.

„Ein anderes Ziel mit der Einführung der Gacaca-Gerichte war es, die Wahrheit aufzudecken. Denn alles, was geschehen war, durfte nicht dem Vergessen preisgeben werden, sondern musste allgemeines Erinnerungsgut werden. Dieses sollte weiterhin den Grundstock der Erinnerung an den Genozid bilden“, erläuterte Bataringaya, der mit seinem Besuch in Bochum altvertrautes Terrain betrat. An der Ruhr-Universität Bochum promovierte er 2012 zum Thema „Impulse der Friedensethik Dietrich Bonhoeffers“. Aspekte seiner Doktorarbeit ließen sich auch in die Versöhnungsarbeit in Ruanda einbringen.

Noch ist es ein langer Weg, doch der Prozess der Versöhnung ist unter der Begleitung der Kirche angestoßen. Die dem Vortrag folgende Diskussion wurde vom damaligen Doktorvater des jetzigen Kirchenpräsidenten, dem Bochumer Theologen Prof. Traugott Jähnichen, moderiert. Er stellte eine baldige Partnerschaft zwischen Bochum (Evangelische Theologie der Ruhr-Uni und Evangelische Hochschule RWL) und Ruanda in Aussicht.

01.06.2018
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Montag, 25. Juni 2018:
Losungstext:
Um deines Namens willen verwirf uns nicht! Lass den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden!
Jeremia 14,21
Lehrtext:
Paulus schreibt: Wir beten allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig mache der Berufung und vollende alles Wohlgefallen am Guten und das Werk des Glaubens in Kraft.
2.Thessalonicher 1,11