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Einen außergewöhnlichen Rilke-Abend gestalteten (v.l.) Jürgen Hiekel (Saxophon), Prof. Gotthard Fermor (Gedichte), Josef Marschall (Piano) und Prof. Mark S. Burrows (Meditationen und Interpretationen). Foto: Frauke Haardt-Radzik

„Aus dieser Nacht gibt es kein Entkommen.“ So formulierte Arno Lohmann, Leiter der Evangelischen Stadtakademie, die intensive Erfahrung, die Vortragende und Besucher gemeinsam in der fast stockdunklen Christuskirche erlebten.

Mit Rainer Maria Rilkes Gedichten aus dem zweiten Teil des Stundenbuchs luden Prof. Gotthard Fermor und Prof. Mark S. Burrows als Vortragende sowie Josef Marschall am Piano und Jürgen Hiekel am Saxophon zu einer Pilgerreise in die Tiefen der eigenen spirituellen Sehnsucht ein.

Und für die Zuhörer erschlossen sich an diesem Abend Horizonte für eine Suche, bei der es darum geht, das zu erfahren, was Rilke „das Herz aller Dinge“ nennt.

Eine poetische Reise  zu einem neuen eigenen Gottesbild. Doch am Anfang stand erst einmal die Musik. Gleich mit den allerersten Saxophonklängen, sehr behutsam, fast suchend, gespielt von Jürgen Hiekel, zieht eine ganz besondere Stimmung ins Kirchenschiff ein. Eine Art feierliche, meditative Traurigkeit.

"Wir sind mit dem Stundenbuch unterwegs, begonnen haben wir in Worpswede, da, wo dieses Buch auch entstanden ist.“ Prof. Fermor trägt Rilkes Gedichte aus dem Buch der Pilgerschaft, dem zweiten Teil des Stundenbuches, vor. Entstanden sind sie in nur einer Woche im September 1901, als Rilke sich nach einer Russlandreise in der gerade entstehenden Künstlerkolonie Worpswede aufhielt.

Prof. Burrows gibt dazu in der Christuskirche hilfreiche Interpretationen und passende Erläuterungen zur jeweiligen Lebenssituation des Dichters. Burrows, Professor für Soziale Arbeit, Bildung und Diakonie an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum, wünscht sich und dem Publikum: „Lassen Sie uns heute Abend zu Gott pilgern, jenseits von Gott.“ Doch was für einen Gott sucht Rilke?

„Alle, welche dich suchen, versuchen dich. Und die, die dich finden, binden dich. An Bild und Gebärde. Ich aber will dich begreifen, wie dich die Erde begreift. Mit meinem Reifen reift dein Reich. Ich will von dir keine Eitelkeit, die dich beweist. Ich weiß, dass die Zeit anders heißt, als du. Tu mir kein Wunder zulieb, gib deinen Gesetzen recht, die von Geschlecht zu Geschlecht sichtbar sind.“

Gleich mit dem ersten Gedicht, das Fermor aus Rilkes Stundenbuch vorträgt, wird diese Sehnsucht, dieses Pilgern, die Suche nach Sinn und Geborgenheit überdeutlich. Für Rilke ist das Abenteuer des Lebens die anstrengende Reise zu uns selbst.“

Immer wieder wechseln sich Fermor und Burrows ab, zwischen dem Vortragen der Gedichte und den folgenden Interpretationen und Meditationen entsteht so eine fruchtbare Verbindung.

Und immer wieder nimmt die Musik, ob Josef Marschall am Piano oder Jürgen Hiekel am Saxophon, die Besucher mit auf die Reise. Dazu werden passende stimmungsvolle Bilder auf eine Leinwand im Altarraum projiziert, die die meditative Stimmung noch vertiefen.

Ein außergewöhnlicher Abend – und außergewöhnlich gut besucht an solch einem schönen Frühlingsabend.

Die Rilke-Gedichte sind in dem Band „Das Buch von der Pilgerschaft“, Hrsg. Gotthard Fermor, Gütersloher Verlagshaus, erschienen.

21.04.2017
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Mittwoch, 20. September 2017:
Losungstext:
Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen.
Joel 3,1
Lehrtext:
Petrus sprach: Da Jesus nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr seht und hört.
Apostelgeschichte 2,33