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Fotos: Frauke Haardt-Radzik

Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Sagte es Lao tse oder Konfuzius? Egal. Um mir Mut für den höchsten Kreuzweg der Alpen zu machen, führt mich mein erster Schritt zu den beiden Bergbegeisterten, Alfred Schiske und Rüdiger Edling. Die Bochumer haben sich den Kreuzweg in Osttirol, am Großvenediger, ausgedacht. Zusammen wollen wir in den Bergen im österreichischen Prägraten pilgern.

Und schon heißt es Rucksack packen für eine Hüttenwanderung von Kreuzwegstation zu Kreuzwegstation. Nach 10 Stunden Autofahrt kommen wir im verträumten Virgental an. Ruhe, keine Hektik, freundliche, authentische Bergbauern, die versuchen, von Landwirtschaft und Individualtouristen im Einklang mit der Natur zu leben, empfangen uns.

Nach einem kräftigen Frühstück starten wir einen ersten Erkundungsgang entlang der Isel. Das Flüsschen bahnt sich seinen Weg durch die grünen, von Blumen und würzig duftenden Kräutern übersäten Wiesen. Von den nah gelegenen Hängen rauschen Bäche, stellenweise sind sie zu donnernden Wasserfällen angeschwollen. Wir sind verabredet mit der Kräuterpädagogin Liesa. Auch sie zog es vor einigen Jahren aus dem fernen Nordrhein-Westfalen ans beschauliche „schönste Ende der Welt“, wie die Einheimischen ihr Tal selbst bezeichnen. Gern möchte man hier den Tourismus ankurbeln, aber es soll der sanfte Weg beschritten werden, Individualtouristen möchte man die Schönheit und Stille der Natur zeigen. Liesa hat in Prägraten eine Kräuterschule aufgebaut und lädt uns zu selbstgemachter Kräuterlimo und leckerer Kräutertarte ein.

Am nächsten Morgen beginnt der Aufstieg. Fünf Dreitausender Berggipfel und 14 Kreuzwegstationen liegen vor uns. Wir starten an Station I neben der wunderhübschen Hubertuskapelle. Auch sie wurde, wie vieles hier in Prägraten, durch ehrenamtliche Mithilfe engagierter Bewohner errichtet. Rüdiger Edling und Alfred Schiske kommen seit vielen Jahren immer wieder hierher, wurden immer freundlich aufgenommen und werden fast schon als Einheimische angesehen. Sowohl mit dem Kreuzweg als auch mit zwei Gipfelkreuzen, die die beiden im Ruhrgebiet anfertigen und dann auf zwei der 3000er „Hausberge“ von Prägraten aufstellen ließen, wollen sich die Bochumer Freunde für diese Gastfreundschaft bedanken.

Künstlerisch gestaltete Platten zeigen die Kreuzwegstationen an

Der hier heimische Steinkünstler Raimund Gröfler schuf aus einem Stein, der vor Ort abgebaut wird, die 14 Stationen. Jeder Stein zeigt eine fortlaufende römische Ziffer, das Kreuz – Symbol und ein Herz mit Blutstropfen in steigender Anzahl.

Nach einer kurzen Andacht am ersten Stein begeben wir uns nun langsam bergauf, vorbei an Wiesen voller Blumen. An Station II kehren wir in die Hl. Geist-Kapelle im Ortsteil Bichl ein. Alfred Schiske, Presbyter in Harpen, hat einen Andachtstext mitgebracht. Um das Kreuz, das Menschen heute tragen, geht es. Kranke tragen es, alte Menschen, Familien mit Behinderten, Trauernde. „Manche Menschen tragen auch ein Kreuz einfach nur deshalb, weil sie es anderen nicht aufbürden möchten. Sie sagen „Es geht!“, und wissen oft, dass es fast gar nicht mehr geht. Sie tun ihren Mund nicht auf, meinen, Gott habe es so gefügt.“ Dieser Satz geht mir lange durch den Kopf, auch, als wir uns weiter hinauf bewegen, Schritt für Schritt uns der ersten Übernachtungsstätte, der Stabanthütte, nähern.

Aufteilung der Schlafplätze und dann gibt’s gutes Essen, Trinken und gemütliches Zusammensitzen bis die Sonne untergeht. Auf dieser Hütte gibt’s keinen Strom, also ab in die Federn und wer nachts mal raus muss, nutzt Taschenlampe oder Stirnleuchte.

Am nächsten Morgen, wie eigentlich an jedem Morgen während dieser Tour, strahlt eine freundliche Sonne vom blauen Himmel und weckt die Lebensgeister.

Jetzt wartet der Aufstieg zur 2600 Meter hoch gelegenen Sajathütte. Ich wuchte meinen, von lieben Freunden geliehenen, aber für mich viel zu großen Rucksack auf die Schultern und stapfe mit der Pilgertruppe drauflos. Der Weg führt uns durch den „Zauberwald“. Und der macht seinem Namen alle Ehre. Hier sieht es tatsächlich verzaubert aus, unter Steinen und umgekippten Bäumen fantasiere ich Elfen und Trolle – und bin doch erleichtert, dass wir keine zu Gesicht bekommen. Der Weg hinauf wird steiler und schmaler und die Luft spürbar dünner. Jetzt muss jeder Schritt aufmerksam gesetzt werden, sonst kann man schon mal ins Straucheln geraten. Sehr wichtiges Utensil ist auf der gesamten Tour die stets gefüllte Wasserflasche. Pilgern auf solch hohem Niveau macht nämlich durstig. Und dann, nach gut drei Stunden, endlich: Hütte in Sicht!

Jeder geht seinen eigenen Weg

Am nächsten Morgen gibt es für mich eine Premiere: Anlegen von Bergsteiger-Geschirr zur Sicherung an besonders gefährlichen Wegabschnitten, die beim Aufstieg zu den über 3000 Meter hohen Berggipfeln auf uns warten. Mir wird mulmig, ich fühle mich überfordert und gehe doch weiter. Schließlich sind wir als Gruppe unterwegs, da hilft kein Jammern und Hadern. Zum Glück können wir uns auf den erfahrenen Bergführer Rüdiger Edling, der das Gelände und die hier üblichen Wetterverhältnisse kennt, bestens verlassen. Auf jeden Fall ist es eine sportliche Herausforderung!
Wir bestehen sie, wenn auch mit Plessuren und teils großen Mühen und stehen irgendwann staunend auf dem Gipfel der 3164 Meter hohen Kreuzspitze. Ein grandioser Ausblick über schneebedeckte Gipfel, das Gefühl unglaublicher Freiheit und das leichte Bangen beim Blick in den steilen Abstiegsgrund hinunter und hinüber zum nächsten Gipfel mischen sich.

Auszubildende des Kolpingwerks Essen haben das Gipfelkreuz für die Kreuzspitze ganz aus Stahl geschaffen, unter großen Mühen wurde es hier hoch gewuchtet und nun steht es da, irgendwie majestätisch strahlend. Auch hier, an der Kreuzwegstation V eine kleine Andacht. Eine Strophe aus dem passenden Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“ geben uns Kraft für den weiteren Pilgerweg.

Nach schier endlosem Auf und Ab erreichen wir müde und erschöpft die letzte Übernachtungsstätte, die Eisseehütte. Obwohl als Gruppe unterwegs, wird doch klar, jeder geht seinen eigenen Kreuzweg. Für mich heißt das, einen Tag Pause einlegen, gezerrte Muskeln entlasten und Kraft für den letzten Tag, den Abstieg ins Tal schöpfen.

Von der 2500 Meter hoch gelegenen Eisseehütte geht der letzte Pilgerabschnitt auf gut befestigten Wegen entlang grüner Wiesen, gluckernder Bäche, vorbei an Kuhherden, die uns mit sanftem Glockengebimmel begleiten, hinunter zur letzten, der 14. Kreuzwegstation. Zum Schluss gibt’s für  jeden Teilnehmer ein Pilgerbuch und einen wunderschönen Erinnerungsstein. Total k.o. und sehr beeindruckt von der gewaltigen Natur kehren wir zurück ins trubelige Ruhrgebiet.


Näheres zu diesem Kreuzweg und möglichen Pilgertouren dort und Informationen rund ums Virgental und Prägraten gibt es bei:
Rüdiger Edling – Sportbildungswerk des Landessportbundes – Tel. 0234/9613972 – e-mail: ruediger.edling(at)sport-in-bochum.de
Prägraten am Großvenediger – Bürgermeister Anton Steiner – Tel. +434877/6363 – e-mail: buergermeister(at)praegraten.info

23.08.2017
Von: Frauke Haardt-Radzik

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 18. November 2017:
Losungstext:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Jesaja 9,1
Lehrtext:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
Titus 2,14